Zusammenfassung, 4. Sitzung, 7.11.2018: David Humes Kausalitätsverständnis

In der Philosophie des schottischen Empiristen David Hume (1711-1776) findet sich eine scharfsinnige Analyse der Kausalitätsrelation, die konsequent aus einer erkenntnistheoretischen Perspektive entwickelt wird. Hume versteht die Kausalitätsrelation als eine „Denkbeziehung“ („comparison“) von Vorstellungen, die Hume wiederum als schwache, erinnerte Abbilder von unmittelbaren Sinneseindrücken versteht. Einzelne, individuiebare Eindrücke oder Vorstellungen bezeichnet Hume auch als „Gegenstände“ („objects“). Die Kausalitätsrelation ist dadurch ausgezeichnet, als „wir aus der Existenz oder Tätigkeit eines Gegenstandes die Gewißheit schöpfen können, es sei ihr eine andere Existenz oder Tätigkeit gefolgt oder vorangegangen.“ (100) Wenn wir glauben, etwas sei eine Ursache, dann assoziieren wir sofort damit eine bestimmte mögliche Wirkung. Die Vorstellung der Ursache enthält also bereits die Vorstellung der Wirkung. Gemäß Humes reduktionistisch-empiristischer Erkenntnistheorie müssen wir, um zu verstehen, was eine Ursache ist, diese Vorstellung auf einen Eindruck zurückführen, von dem sie stammt: „Die Untersuchung des Eindrucks bringt Klarheit in die Vorstellung und die Untersuchung der Vorstellung bringt in gleicher Weise Klarheit in das Denken.“ (101) Hume untersucht nun unsere möglichen Eindrücke von Gegenständen und stellt fest, dass „Ursächlichkeit“ keine Eigenschaft oder kein Eindruck ist, der einem Gegenstand anhaftet. Kausalität besteht deswegen nicht an den Gegenständen und Eindrücken, sondern zwischen ihnen. Hume richtet also das Augenmerk auf das Verhältnis zwischen zwei Gegenständen der Eindrücke, um das Phänomen der Kausalität besser zu erklären. Entscheidend ist dabei die raum-zeitliche Nähe oder auch „Kontiguität“, also „Berührung“ der Gegenstände. Auch wenn entfernte Gegenstände kausal durch Transitivität verbunden sind, gibt es doch immer wieder Glieder der Kausalkette, die diese verbinden, indem sie sich berühren. Doch genügt die raumzeitliche Nähe noch nicht, um die Notwendigkeit der Kausalitätsbeziehung zu erklären. Hume erklärt diese notwendige Beziehung zwischen zwei Erkenntnisobjekten, die sich kausal bedingen, durch unsere Erfahrung und Gewohnheit. Wenn wir nur oft genug beobachten, dass auf einen Sinneseindruck der Art A ein Sinneseindruck der Art B folgt, dann schließen wir daraus, dass A die Ursache von B ist. Diese Auffassung von Kausalität wird auch als „Regularitätstheorie“ der Kausalität bezeichnet. Natürlich ist eine solche Auffassung von Kausalität nicht objektiv. Denn ihr liegt stets ein Induktionsschluss von einer endlichen Anzahl von Erfahrungen auf eine zukünftige, die demselben Muster folgt. Wir haben also nach Hume von der Kausalität nur wahrscheinliches, aber kein absolutes Wissen.

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