Viren und Virtualität

Die Corona-Krise hat uns die Grenzen der alltäglichen Interaktion wie nur wenige Ereignisse der Vergangenheit vor Augen geführt. Ausfälle, Ausgehverbote und Quarantäne beschränken unsere Freiheit zunehmend. Weniger in den Blick ist hingegen die Tatsache gerückt, dass diese Krise uns neue Freiheiten eröffnet. Not macht erfinderisch. Die Corona-Krise ist zum Katalysator einer neuen Entwicklung geworden — einer Entwicklung der virtuellen Realität. Weiterlesen

Zusammenfassung 15. Sitzung, 6.2.2020: Nietzsches Begriff des Triebes

Nietzsches Begriff des Triebes steht nicht nur geschichtlich, sondern auch systematisch zwischen demjenigen Schopenhauers und Freuds. Nietzsche thematisiert den Trieb nicht im Rahmen eines philosophischen Systems, sondern in der Form von Aphorismen, also kurzen, pointierten, abgeschlossenen Gedankenblitzen. Damit möchte Nietzsche der Versuchung entgehen, die gedankliche Entwicklung einem Systemzwang zu unterwerfen, der nicht das Kriterium der Adäquatheit, sondern der Kohärenz zum Prinzip erhebt. Weiterlesen

Zusammenfassung 14. Sitzung, 30.1.2020: Freuds Begriff des Triebes

In seiner Schrift „Triebe und Triebschicksale“ (1915) nähert sich Sigmund Freud dem Begriff des Triebes phänomenologisch an. Er schickt seinen Analysen die methodologische und wissenschaftstheoretische Bemerkung voran, dass der „richtige Anfang der wissenschaftlichen Tätigkeit“ „in der Beschreibung von Erscheinungen [besteht], die dann weiterhin gruppiert, angeordnet und in Zusammenhänge eingeordnet werden.“ Grundbegriffe jeder Wissenschaft „müssen zunächst ein gewisses Maß von Unbestimmtheit an sich tragen; von einer klaren Umzeichnung ihres Inhalts kann keine Rede sein.“ Freud hebt dabei hervor, dass nicht etwa nur die Begriffe als Abstraktionen dem empirischen „Erfahrungsmaterial“ unterworfen sind, sondern vielmehr auch die Erfahrung den Begriffen. Darin liegt eine Form von „Konstruktivismus“. Begriff und Erfahrungsmaterial befinden sich nach Freud in einer dynamischen Wechselwirkung und müssen immer mehr aneinander angeglichen werden, bis am Ende die eindeutige Definition steht. Ein solcher zunächst unklarer Begriff ist derjenige des Triebes. Weiterlesen

Zusammenfassung 13. Sitzung, 23.1.2020: Schopenhauers Begriff des Triebes

Schopenhauer versteht den „Willen zu Leben“ als das „innerste Wesen“ der Welt. Dabei möchte Schopenhauer den Willen zum Leben nicht hypostasieren und als abstraktes Prinzip – wie in seinen Augen Hegels Begriff des „Absoluten“ und „Unendlichen“ – fassen, sondern als „einzige unwandelbare und unbedingte Eigenschaft“ der Welt, ja als „das Allerrealste“, den „Kern der Realität selbst“. Weiterlesen

Zusammenfassung 12. Sitzung, 16.1.2020: Hegels Begriff des Triebes

Wie vor ihm Schelling, so denkt auch Hegel den Begriff des Triebes nicht so sehr im Rahmen einer Anthropologie und Moralpsychologie, betrachtet also den Trieb nicht so sehr von der individuellen Person her, sondern im Kontext eines umfassenden philosophischen Systems der Ontologie bzw. des „Geistes“. Weiterlesen

Zusammenfassung 11. Sitzung, 9.1.2020: Hausarbeiten; Schellings Begriff des Triebes

Hausarbeiten über die klassische deutsche Philosophie (bzw. den „deutschen Idealismus“) zu schreiben stellt eine besondere Herausforderung dar. Denn die behandelten Texte sind nicht selten überladen von Begriffen wie dem „Absoluten“, dem „Nicht-Ich“, der „intellektuellen Anschauung“, der „Freiheit“, die extrem vieldeutig und keineswegs selbstverständlich sind. Weiterlesen

Zusammenfassung 10. Sitzung, 19.12.2019 – Schillers Theorie der Triebe

Der menschliche Wille ist nach Schiller gespalten in zwei „Tendenzen“ bzw. „Triebe“, „die den Begriff der Menschheit erschöpfen“.[1] Anders als die in Kants Grundlegungsschriften eingeführte Unterscheidung von Vernunft und Natur folgt Schillers Unterscheidung dieser Willenstendenzen nicht der Opposition „Autonomie-Heteronomie“, sondern er fasst beide Triebe als Basis des Freiheitsgebrauchs auf:[2]

Ich trage kein Bedenken, diesen Ausdruck [scil. „Trieb“] sowohl von demjenigen, was nach Befolgung eines Gesetzes [scil. dem Formtrieb] als von dem, was nach Befriedigung eines Bedürfnisses strebt [dem Stofftrieb], gemeinschaftlich zu gebrauchen wiewohl man ihn sonst nur auf das letztere einzuschränken pflegt. So wie nehmlich Vernunftideen zu Imperativen oder Pflichten werden, sobald man sie überhaupt in die Schranken der Zeit setzt, so werden aus diesen Pflichten Triebe, sobald sie auf etwas bestimmtes und wirkliches bezogen werden. […] Dieser Trieb [scil. der Formtrieb] entsteht nothwendig, und fehlt auch bey demjenigen nicht, der ihm gerade entgegen handelt. Ohne ihn würde es keinen moralisch bösen, folglich auch keinen moralisch guten Willen geben [Hervorh. J.N.].[3] Weiterlesen

Zusammenfassung 8. Sitzung, 12.12.2019 – Fichtes Theorie der Triebe

In seiner Schrift Über Geist und Buchstab in der Philosophie (1794) interpretiert Fichte den Triebbegriff vor dem Hintergrund einer Konzeption individueller Freiheit. Damit geht er entschieden über Kants Theorie hinaus, der die Triebe dem unteren Begehrungsvermögen zugeordnet und als eine Form von Fremdbestimmung aufgefasst hatte. Fichte knüpft dabei an die kantische Unterscheidung der verschiedenen Erkenntnisvermögen, insbesondere den Begriff der (reflektierenden) Urteilskraft, an. Weiterlesen

Zusammenfassung 8. Sitzung, 5.12.2019 – Reinholds Theorie der Triebe

Die Basis von Reinholds positivem Freiheitsbegriff bildet seine komplexe, in sich differenzierte Trieblehre, welche er in expliziter Auseinandersetzung mit Kants Triebfedern-Lehre entwickelt. Als programmatisch kann dabei der Titel des Siebten Briefs gelten: Über den bisher verkannten Unterschied zwischen dem uneigennützigen und dem eigennützigen Triebe, und zwischen diesen beiden Trieben und dem Willen. Die zentrale Differenz zwischen dem uneigennützigen und dem eigennützigen Trieb ist, wie Reinhold betont, ein Unterschied, „aus dem sich, wenn er einmal zugegeben ist, alle in jener Darstellung […] aufgestellten Grund- Lehr und Folgesätze […] ergeben“[1]. Weiterlesen

Zusammenfassung 4. Sitzung, 4.12.2019: Mitleidsethik, Tierversuche, Tiertötung

Donald Trump hat auf seinem Twitter-Account angekündigt, dem Armeehund Conan für seine treuen Dienste – er half dabei, den ISIS-Chef Abu Bakr a-Bagdadi zu stellen – einen Orden zu verleihen. Dies wirkt auf uns aus mehreren Gründen befremdlich. Zum einen fassen wir Hunde nicht als Akteure auf, die für ihre Taten im moralischen oder auch nur gesellschaftlichen Sinne verantwortlich sind. Zum anderen zweifeln wir daran, dass der Orden für den Hund von Bedeutung ist, er also verstehen kann, um was es sich dabei handelt. Nichtmenschliche Tiere scheinen kein Bewusstsein von Ehre und Würde zu haben. Es scheint sich dabei also um einen klassischen Fall von Anthropomorphismus zu handeln. Weiterlesen

Zusammenfassung 7. Sitzung, 28.11.2019 – Kants Theorie der Epigenese / der Triebfedern

Teleologie ist nach Kant ein Phänomen nicht der Natur, sondern der reflektierenden Urteilskraft. Die zweckhafte Verfasstheit der Natur sagt nur etwas darüber aus, wie wir über sie Urteilen. Wir urteilen also die Zweckmäßigkeit in die Natur hinein. Kant rekonstruiert die Freiheit des Organismus, von der Goethe mit Blick auf den Bildungstrieb sprach, durch die Wirkungsweise des Vermögens der Urteilskraft. Weiterlesen

Zusammenfassung 6. Sitzung, 21.11.2019 – Immanuel Kants Teleologie

Während Herder, Blumenbach und Goethe eine teleologische Auffassung der Natur und der Triebe vertraten, wird Teleologie bei Kant nun problematisch. Die Natur ist ihm zufolge nicht objektiv zweckmäßig verfasst, sondern wir dürfen ihr nur eine „subjektive Zweckmäßigkeit“ zusprechen. Kant verlagert damit die Frage nach der Teleologie von der Natur in unsere Erkenntnisbedingungen. Weiterlesen

Zusammenfassung 3. Sitzung, 20.11.2019: Speziesismus, Utilitarismus und Tierrechte

Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) vertritt im Rahmen seiner deontologischen Ethik die Auffassung, dass wir Tiere nicht grausam behandeln dürfen, „weil dadurch das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abgestumpft und dadurch eine der Moralität im Verhältnisse zu anderen Menschen sehr diensame natürliche Anlage geschwächt und nach und nach ausgetilgt wird“ (Die Metaphysik der Sitten, AA VI, 443) Es geht Kant also nicht direkt um das Wohl der Tiere, sondern nur indirekt, insofern sie als ein Mittel zur Einübung des menschlichen Mitgefühls dienen oder im andern Fall zu dessen Abhärtung beitragen. Weiterlesen

Zusammenfassung 5. Sitzung, 14.11.2019 – Goethes Morphologie

Goethe knüpft in seiner Naturphilosophie an Blumenbachs Bildungstrieb an. Er vertritt die These, dass der Bildungstrieb ohne den Begriff der Metamorphose „nicht zu fassen sei“. In diesem Zusammenhang spricht Goethe auch von der „Einheit“ und „Freiheit“ des Bildungstriebs. Diese Begriffe verwendet Blumenbach im Kontext des Bildungstriebes jedoch nicht. Was könnte Goethe damit meinen? Weiterlesen