Handeln und Emotionen

Wir handeln nicht nur durch unsere instrumentelle oder moralische Vernunft, sondern auch durch Emotionen und manchmal auch im Affekt. Wie aber unterscheiden sich diese Phänomene von Gefühlen und Stimmungen? Wir können diese Phänomene dahingehend untersuchen, inwiefern sie stabil bzw. ausgedehnt sind und inwiefern sie unsere Subjektivität ganz (bzw. innerlich) oder nur teilweise bzw. äußerlich ausdrücken. Weiterlesen

Was sind Sprachhandlungen?

Verstehen wir unter Handlungen die Verwirklichung von handlungswirksamen Wünschen (bzw. Willen), so können zwischen inneren und äußeren Handlungen unterscheiden. Innere Handlungen bleiben gewissermaßen in unserem Geist, sofern sie Gedanken, Wünsche oder sonstige mentale Phänomene als Ziel betreffen. Äußere Handlungen betreffen eine Kausalität, die aus unserem Geist heraus in die Außenwelt wirkt. Weiterlesen

Zusammenfassung: Was ist Handlungsfreiheit?

Wir können den recht allgemeinen Begriff der Freiheit in verschiedenen Hinsichten weiter differenzieren. Unter negativer Freiheit verstehen wir die Freiheit von etwas, also z.B. die Freiheit von Zwang (Unabhängigkeit). Unter positiver Freiheit verstehen wir die Freiheit zu etwas, z.B. die Freiheit zu tun, was wir wollen. Genau dies bezeichnet unsere Handlungsfreiheit: Wir können unseren Willen ungehindert in eine Handlung überführen, also unseren Willen kausal realisieren. Weiterlesen

Anthropologie und Aufklärung

Der Artikel „Aberglaube“ der Enzyklopädie stellt diesen als „schrecklichste Plage der Menschheit“ („le plus terrible fléau de l’humanité“) vor. Aberglaube ist gewissermaßen das Gegenteil von Aufklärung. Er widerspricht der Vernunft und den „gesunden Ideen, die man vom höchsten Wesen haben muß“. Dies bedeutet, dass die Enzyklopädie Aufklärung nicht im Gegensatz zur Annahme eines höchsten Wesens versteht. Der Artikel „Denkfreiheit“ argumentiert dafür, dass selbst der Glaube an Gott nicht bedeuten darf, „unserer Vernunft Fesseln an[zu]legen, […] als ob die Wahrheit Angst haben müßte, in hellem Licht zu erscheinen“. Der Aberglaube hat zur Folge, dass er die Vernunft ‚verwirrt‘ („troubler“). Konkret kann der Aberglaube in Fanatismus münden, also in eine Form von Radikalisierung der Unvernunft.

Hinsichtlich des Begriffs des Tieres stellt die Enzyklopädie fest, dass die Unterscheidung von „Tier“ und „Nicht-Tier“, d.h. unsere Definition und unser Begriff des Tieres „nur künstliche Methoden“ sind. Strenge Unterscheidungen im Reich der Natur sind sogar problematisch, weil die Natur sich immer kontinuierlich entwickelt, denn sie geht „in unmerklichen Nuancen vom Tier zur Pflanze über“. Klare Trennungslinien „existieren keinesfalls in der Natur“, denn „[e]s gibt Wesen, die weder Tiere noch Pflanzen und auch nicht Mineralien sind und die man vergeblich dem einen oder dem anderen zuordnen würde“. Hier wären etwa Pilze zu nennen.

Die Enzyklopädie vertritt die Auffassung, dass die Menschen den „ersten Rang in der Natur“ einnehmen, gefolgt von Tieren, Pflanzen und Mineralien. Sie argumentiert dafür, dass wir „nicht in einer einzigen Definition“ das menschliche Wesen bestimmen können, und verweist u.a. auf den Artikel „Anatomie“, der den organischen Körperbau des Menschen betrifft. Aus anatomischer Sicht sind alle Menschen sehr ähnlich. Sie haben in der Regel die selben Organe und eine ähnliche Form. Anders verhält es sich dagegen, wenn wir den Menschen aus individueller Perspektive als „jenes Wesen, das denkt, will und handelt“ betrachten.

Der französische Philosoph Julien Offray de La Mettrie (1709-1751) dagegen bestimmt den Menschen ausschließlich aus anatomischer, d.h. naturalistischer Perspektive: „Öffnen wir das Innere des Menschen und der Tiere. Wie könnte man denn die menschliche Natur erkennen, wenn man über sie nicht durch einen richtigen Vergleich des inneren Baus des Menschen und der Tiere unterrichtet wäre?“ (53) La Mettrie bestimmt den Menschen durch seine relative Größe des Gehirns. Er führt die Existenz des Geistes auf die Instinktarmut des Menschen zurück. Aus naturalistischer Sicht ist „[d]er Übergang von den Tieren zum Menschen ist kein gewaltsamer“, d.h. es gibt keinen qualitativen, sondern nur einen quantitativen Unterschied. Nach La Mettrie liegen unsere geistigen Eigenschaften in unseren natürlichen begründet: „Dieser organische Bau ist der erste Vorzug des Menschen. Vergeblich erkennen alle Autoren der Sittenlehre den beachtenswerten Eigenschaften, die wir von der Natur empfangen, nicht denselben Wert zu wie den Talenten, die wir durch großen Fleiß und langes Nachdenken erwerben; denn woher, frage ich, kommt die Geschicklichkeit, das Wissen, die Tugend, wenn nicht von einer Veranlagung, die uns befähigt, geschickt, wissend und tugendhaft zu werden? Und woher kommt diese Veranlagung, wenn nicht von der Natur? Wir besitzen nur dank der Natur schätzenswerte Eigenschaften; wir verdanke0 ihr alles, was wir sind.“ (75)

Zusammenfassung: Willensschwäche

Willensschwäche (gr. akrasia, Un-beherrschtheit) ist ein Phänomen, welches das Verhältnis von unserem Willen, unserem Wissen und unserer Handlung betrifft. Wenn wir willensschwach sind, dann tun wir nicht das, wofür die meisten und besten Gründe sprechen. Wir handeln demnach wider besseres Wissen. Wir können Willensschwäche insofern als eine Form von praktischer Irrationalität verstehen. Weiterlesen

Zusammenfassung: Praktische Vernunft

Um unseren Willen formieren, bilden und in eine Handlung überführen zu können, d.h. um unsere Absichten und Ziele verwirklichen zu können, benötigen wir praktische Vernunft. Während sich die theoretische Vernunft auf das Erkennen bezieht, das nicht auf Handeln bezogen ist, bezieht sich die praktische Vernunft auf unser Handeln. Weiterlesen

Zusammenfassung: Was sind Gründe?

Gründe sind die Antwort auf die Frage, warum eine Person etwas getan hat. Während die Antwort „Darum!“ bloße Willkür ausdrückt und uns unbefriedigt lässt (oder sogar empört), kann eine Antwort in der Form „Weil X und Y und Z“ verschiedene Gründe enthalten, die die Handlung aus ganz verschiedenen Perspektiven der handelnden Person weiter verständlich werden lassen. Weiterlesen

Zusammenfassung: Was ist ein Wille?

Traditionell wird in der Geschichte der Philosophie mit Blick auf den Willen zwischen einem „unteren“ (arbitrium brutum) und einem „oberen“ Begehrungsvermögen (arbitrium liberum) gesprochen. Das lateinische Wort „arbitrium“ bedeutet so viel wie „Wahlvermögen“ oder „Entscheidungsvermögen“ (vgl. auch das Wort „abiträr“, „beliebig“, und lat./engl. „arbiter“, „Schiedsrichter“). Weiterlesen

Zusammenfassung: Hans Jonas‘ Verantwortungsethik

Der deutsch-amerikanische Philosoph Hans Jonas (1903-1993) verfasste 1979 sein Hauptwerk Das Prinzip Verantwortung – Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Gleich zu Beginn seines Buches bezieht sich Jonas auf die griechisch-mythologische Figur des Prometheus, einem Titanen, der von den Göttern das Feuer stiehlt, um es wieder den Menschen zu bringen. Zur Strafe wird er von Zeus gefesselt und regelmäßig von einem Adler gequält, der seine nachwachsende Leber frisst. Das Feuer besitzt hier eine symbolische Bedeutung der Technologie, und Prometheus als Kulturbringer. Jonas spricht mit Blick auf die Technologie des 20. Jahrhunderts von einem „Abenteuer“ (8) und einem „entfesselte[n] Prometheus“, „dem die Wissenschaft nie gekannte Kräfte und die Wirtschaft den rastlosen Antrieb gibt“ (7). Daraus erwächst die Notwendigkeit einer „Ethik, die durch freiwillige Zügel seine Macht davor zurückhält, dem Menschen zum Unheil zu werden“ (7). Prometheus wird also mit einem Male nicht Unterstützer der Menschen, sondern als Gefahr für sie problematisch. Weiterlesen

Zusammenfassung: Die Struktur der Enzyklopädie

Die beiden französischen Philosophen Denis Diderot (1713-1784) und Jean Baptiste le Rond d’Alembert (1717-1783) haben im Zeitraum von 1751 bis 1765 die Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers (dt.: Enzyklopädie oder begründetes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke) herausgegeben. Dieses 17-bändige Werk umfasst insgesamt mehr als 70.000 Artikel, die von insgesamt 144 Autoren, den sogenannten Enzyklopädisten, verfasst wurden. Weiterlesen

Zusammenfassung: Was ist eine Handlung?

Handlungen sind ganz allgemein betrachtet kausale Verwirklichungen unserer Absichten bzw. Intentionen. Sie ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Wille und Rationalität und sind insofern Ausdruck unserer individuellen und kollektiven Freiheit. Unser Begehrungsvermögen (im weitesten Sinne) liefert die Energie und Motivation (die ‚Materie‘). Zu diesem volitionalen Vermögen zählen auch Wünsche, Triebe und Begierden. Unser Vermögen der Rationalität (im weitesten Sinne) liefert dagegen die Orientierung, Begründung, Rechtfertigung, Reflexion, Bewertung und Anleitung (die ‚Form‘). Weiterlesen

Rousseaus Kritik der Aufklärung

In seiner „Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste aus dem Jahr 1750 hatte der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) die Preisfrage der Académie von Dijon verneint: „Hat die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste dazu beigetragen, die Sitten zu läutern?“ Rousseau stellt seiner Untersuchung die lateinische Wendung „Decipimur specie recti“ voran, die so viel bedeutet wie „Wir täuschen uns durch den Schein des Rechten“. Rousseau möchte also in seiner Abhandlung darauf hinweisen, dass Aufklärung immer auch bedeuten muss, dass wir keiner Selbsttäuschung unterliegen. Oft unterliegen wir nämlich auch einer Selbsttäuschung dadurch, dass wir glauben, besonders aufgeklärt zu sein. Auch die Aufklärung, verstanden im Sinne des Fortschreitens der Wissenschaften, birgt Gefahren, auf die Rousseau hinweisen möchte. Weiterlesen

Berufsethos und Verantwortung

Unter einem „Berufsethos“ können wir Regeln und Normen verstehen, die für eine bestimmte Berufsgruppe verbindliche Geltung beanspruchen und zumeist auf eine lange Tradition zurückblicken können. Diese Normen spezifizieren die konkrete Berufspraxis und -situation in einem noch näheren Sinne, als es Gesetze tun können. Einige Verbote, die durch das Berufsethos formuliert werden, stimmen mit unserem Rechtssystem überein, andere sind nicht strafrechtlich relevant. Dies hängt davon ab, wie eng oder weit man das Berufsethos fasst. Grundsätzlich geht es im Berufsethos um die berufsspezifische Verantwortung, wie etwa dem Arztberuf, mit Blick auf andere Menschen. Weiterlesen