Zusammenfassung 8. Sitzung, 5.12.2019 – Reinholds Theorie der Triebe

Die Basis von Reinholds positivem Freiheitsbegriff bildet seine komplexe, in sich differenzierte Trieblehre, welche er in expliziter Auseinandersetzung mit Kants Triebfedern-Lehre entwickelt. Als programmatisch kann dabei der Titel des Siebten Briefs gelten: Über den bisher verkannten Unterschied zwischen dem uneigennützigen und dem eigennützigen Triebe, und zwischen diesen beiden Trieben und dem Willen. Die zentrale Differenz zwischen dem uneigennützigen und dem eigennützigen Trieb ist, wie Reinhold betont, ein Unterschied, „aus dem sich, wenn er einmal zugegeben ist, alle in jener Darstellung […] aufgestellten Grund- Lehr und Folgesätze […] ergeben“[1]. Weiterlesen

Zusammenfassung 4. Sitzung, 4.12.2019: Mitleidsethik, Tierversuche, Tiertötung

Donald Trump hat auf seinem Twitter-Account angekündigt, dem Armeehund Conan für seine treuen Dienste – er half dabei, den ISIS-Chef Abu Bakr a-Bagdadi zu stellen – einen Orden zu verleihen. Dies wirkt auf uns aus mehreren Gründen befremdlich. Zum einen fassen wir Hunde nicht als Akteure auf, die für ihre Taten im moralischen oder auch nur gesellschaftlichen Sinne verantwortlich sind. Zum anderen zweifeln wir daran, dass der Orden für den Hund von Bedeutung ist, er also verstehen kann, um was es sich dabei handelt. Nichtmenschliche Tiere scheinen kein Bewusstsein von Ehre und Würde zu haben. Es scheint sich dabei also um einen klassischen Fall von Anthropomorphismus zu handeln. Weiterlesen

Zusammenfassung 7. Sitzung, 28.11.2019 – Kants Theorie der Epigenese / der Triebfedern

Teleologie ist nach Kant ein Phänomen nicht der Natur, sondern der reflektierenden Urteilskraft. Die zweckhafte Verfasstheit der Natur sagt nur etwas darüber aus, wie wir über sie Urteilen. Wir urteilen also die Zweckmäßigkeit in die Natur hinein. Kant rekonstruiert die Freiheit des Organismus, von der Goethe mit Blick auf den Bildungstrieb sprach, durch die Wirkungsweise des Vermögens der Urteilskraft. Weiterlesen

Zusammenfassung 6. Sitzung, 21.11.2019 – Immanuel Kants Teleologie

Während Herder, Blumenbach und Goethe eine teleologische Auffassung der Natur und der Triebe vertraten, wird Teleologie bei Kant nun problematisch. Die Natur ist ihm zufolge nicht objektiv zweckmäßig verfasst, sondern wir dürfen ihr nur eine „subjektive Zweckmäßigkeit“ zusprechen. Kant verlagert damit die Frage nach der Teleologie von der Natur in unsere Erkenntnisbedingungen. Weiterlesen

Zusammenfassung 3. Sitzung, 20.11.2019: Speziesismus, Utilitarismus und Tierrechte

Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) vertritt im Rahmen seiner deontologischen Ethik die Auffassung, dass wir Tiere nicht grausam behandeln dürfen, „weil dadurch das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abgestumpft und dadurch eine der Moralität im Verhältnisse zu anderen Menschen sehr diensame natürliche Anlage geschwächt und nach und nach ausgetilgt wird“ (Die Metaphysik der Sitten, AA VI, 443) Es geht Kant also nicht direkt um das Wohl der Tiere, sondern nur indirekt, insofern sie als ein Mittel zur Einübung des menschlichen Mitgefühls dienen oder im andern Fall zu dessen Abhärtung beitragen. Weiterlesen

Zusammenfassung 5. Sitzung, 14.11.2019 – Goethes Morphologie

Goethe knüpft in seiner Naturphilosophie an Blumenbachs Bildungstrieb an. Er vertritt die These, dass der Bildungstrieb ohne den Begriff der Metamorphose „nicht zu fassen sei“. In diesem Zusammenhang spricht Goethe auch von der „Einheit“ und „Freiheit“ des Bildungstriebs. Diese Begriffe verwendet Blumenbach im Kontext des Bildungstriebes jedoch nicht. Was könnte Goethe damit meinen? Weiterlesen

Zusammenfassung 2. Sitzung, 6.11.2019: Utilitarismus und Speziesismus

Die Frage, inwiefern nichtmenschliche Tiere Rechte und eine „Würde“ besitzen, der „Achtung“ entgegengebracht werden sollte, wie es der „Kodex der Tierärztinnen und Tierärzte Deutschlands“ formuliert, hängt entscheidend davon ab, über welche Eigenschaften und Fähigkeiten sie verfügen. Hier stellt sich wiederum die Frage, ob sich die Fähigkeiten nichtmenschlicher Tiere von denjenigen menschlicher Tiere nur graduell oder gar kategorisch unterscheiden. Die Evolution der Natur legt nahe, dass es hier nur graduelle Unterschiede gibt, da alle Lebensformen in einem Kontinuum zueinander stehen und die Natur „keine Sprünge macht“. Unsere alltäglichen Intuition jedoch legt die Auffassung nahe, dass wir als Personen kategorisch von allen anderen Tieren, selbst den nächst verwandten Menschenaffen, verschieden seien, da wir über exklusive Fähigkeiten wie Selbstbewusstsein und Denkvermögen verfügen und dadurch eine „Kluft“ zwischen uns und ihnen bestehe. Weiterlesen

Zusammenfassung 3. Sitzung, 31.10.2019 – Herder

Im Triebbegriff und im Begriff der Bildung ist eine Doppeldeutigkeit angelegt: eine Dynamik, die sowohl natürliche Entwicklungen wie auch die freie vernünftige Bildung des Menschen betreffen kann. Diese Spannung zwischen Natur und Vernunft kann dadurch aufgehoben werden, dass der Mensch als vernünftiges und freies Wesen selbst als Teil und Produkt der natürlichen Entwicklung angesehen wird, er sie gewissermaßen aufnimmt und fortsetzt. In seinen Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, die zwischen 1784 und 1791 entstanden, entwickelt Herder ein umfassendes Bild der Schöpfung, das alle Dinge in eine Ordnung zunehmender Komplexität und Form-Bildung bringt. Weiterlesen

Zusammenfassung Trieb-Seminar 2. Sitzung, 24.10.2019 – Einführung

Warum sollte man sich philosophisch gerade mit dem Begriff des Triebes beschäftigen? Ist er nicht ein Inbegriff des Irrationalen und Unbewussten, etwas, was gar nicht begrifflich zugänglich ist? Der Begriff des Triebes steht im Kontext zahlreicher anderer Begriffe, wie Wille, Wollen, Begehren, Neigung, Reiz, Streben, Bedürfnis, Kraft, Motiv, Motivation, Intention, Drang, Appetit. Häufig wird der Trieb als eine Form des unreflektierten Begehrens aufgefasst, also dem freien Willen entgegengesetzt. Weiterlesen

Zusammenfassung Tierethik-Seminar, 23.10.2019: Mensch vs. Tier?

Im Alltag werden häufig die Wörter „Mensch“ und „Tier“ als miteinander inkompatibel oder gar gegensätzlich gebraucht. Einem solchen Verständnis liegt die Auffassung zugrunde, dass Menschen mehr sind als „bloße“ Tiere, und dadurch auch einen anderen, höheren moralischen Status besitzen. Entwicklungsbiologisch gesehen sind wir Menschen freilich „nur“ Tiere, also menschliche Tiere. Nach dieser Ansicht sind „Mensch“ und „Tier“ nicht inkompatibel, sondern „Mensch“ ist nur eine genauere Spezifizierung von „Tier“: ein menschliches Tier. Was aber unterscheidet menschliche Tiere von anderen Tieren? Weiterlesen