Anthropomorphismus

Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und setzt sich zusammen aus „anthropos“ (Mensch) und „morphe“ (Form). Damit ist gemeint, dass etwas nach der Form des Menschen beurteilt wird. Menschen neigen dazu, andere Lebewesen anhand ihrer selbst zu beurteilen. Dies kann etwa dadurch geschehen, dass man der Annahme ist, dass ein Tier menschlich verständliche Emotionen zeigt, wie etwa Freude. Das Problem des Anthropomorphismus besteht darin, dass wir menschliche Formen in andere Lebewesen nur hineinprojizieren. Ein Vorteil des Anthropozentrismus liegt in der heuristischen Funktion: Wir haben einen Leitfaden, anhand dessen wir Fremdes beurteilen können.

Anthropozentrismus

Das Wort leitet sich von altgriechisch „anthropos“ (Mensch) und lateinisch „centrum“ (Zentrum) her. Damit wird die Tatsache bezeichnet, dass sich Menschen beim Erkennen und Urteilen als Gattung selbst in den Mittelpunkt stellen, alles andere von sich her verstehen und bewerten. Eng damit verbunden ist der Anthropomorphismus und der Speziesismus.

Aristoteles

Aristoteles (384-322 v. Chr.) gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Philosophen und Naturforschern der Geschichte. Sein Lehrer war Platon, doch hat Aristoteles zahlreiche Disziplinen entweder selbst begründet oder maßgeblich beeinflusst, darunter Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Logik, Biologie, Physik, Ethik, Staatstheorie und Dichtungstheorie. Im Gegensatz zu Platons Idealismus kann Aristoteles tendenziell dem Empirismus zugeordnet werden. Nicht mehr existieren für ihn die Ideen unabhängig von den Einzeldingen, sondern Form (Idee) und Materie gehen für ihn eine unauflösliche Einheit ein (Hylemorphismus).

Augustinus

Augustinus von Hippo (354-430) war neben Hieronymus, Ambrosius von Mailand und Papst Gregor dem Großen einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und ein wichtiger Philosoph an der Schwelle zwischen Antike und Frühmittelalter. Er gilt als „Entdecker des Willens“ (H. Arendt) und prominenter Verteidiger der menschlichen Willensfreiheit. In seinen Schriften wandte er sich gegen die Auffassung der Manichäer, die eine gute und eine böse Macht angenommen hatten. Auch kann Augustinus als einer der ersten Denker der Subjektivität gelten. Viele von Descartes‘ Argumenten bezüglich des Skeptizismus finden sich bereits in seinen Werken. Zentral für sein Verständnis der Zeit ist sein Begriff des Geistes und der Subjektivität.

Avicenna

Avivenna (980-1037) war ein persisch-arabischer Philosoph, der zugleich als Mediziner und Wissenschaftler arbeitete. Avicenna trat besonders als Aristoteles-Kommentator hervor.

Bayle

Pierre Bayle (1647-1706) war ein französischer Schriftsteller und Philosoph. In seinem Dictionnaire historique et critique unternimmt er eine streng quellenkritische Sichtung des theologischen, philosophischen und historischen Wissens seiner Zeit. Das Buch wurde unmittelbar nach Erscheinen von der Zensur verboten. Dennoch fand das Dictionaire seine Leser und wurde zur „Bibel der Aufklärung“, Wilhelm Dilthey spricht sogar von der „Rüstkammer der Aufklärung“.

Bergson

Henri Bergson (1859-1941) war ein französischer Phänomenologe und Lebensphilosoph. In seinem „Essai sur les données immédiates de la conscience“ (1889) (dt. „Zeit und Freiheit“) kritisierte er die Verräumlichung der Zeit und stellte die innere Dauer des Zeitbewusstseins ins Zentrum.

Böse

Es lassen sich zwei zentrale Auffassungen des Bösen unterscheiden. Die Privationstheorie des Bösen versteht dieses als einen bloßen Mangel an Sein und Gutem. Vertreter dieser Auffassung sind unter anderem Plotin, Augustinus und Thomas von Aquin. Die Perversionstheorie dagegen fasst das Böse als eine eigene Wirklichkeit auf, die die Ordnung des Guten aktiv verkehre. Vertreter dieser Auffassung sind vor allem Kant, Schelling und Kierkegaard.

Bullshit

Im Gegensatz zum Lügner besteht die Problematik des Bullshitters darin, daß der Wahrheitswert seiner Behauptung keine besondere Rolle für ihn spielt. Wir sollen nicht erkennen, daß er weder die Wahrheit sagen noch die Wahrheit verbergen will.“ (Frankfurt, On Bullshit, 61). Die Unterscheidung von Wahrheit und Falschheit, die für den Lügner zentral ist, wird für ihn unbedeutend. Es ist dem Bullshitter „gleichgültig, ob seine Behauptungen die Realität korrekt beschreiben. Er wählt sie einfach so aus oder legt sie sich so zurecht, daß sie seiner Zielsetzung entsprechen.“ Da der Bullshitter die Wahrheit gar nicht beachtet, ist Bullshit nach Frankfurt „ein größerer Feind der Wahrheit als die Lüge“ (67). Darin ähnelt der Bullshitter den antiken Sophisten. Ihnen ging es nicht darum, eine andere Person von der Wahrheit mit guten Argumenten zu überzeugen, sondern sie nur durch Rhetorik zu überreden und zu manipulieren. Worin liegt der Grund von Bullshit? Nach Frankfurt wird Bullshit dann produziert, „wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen. Die Produktion von Bullshit wird also dann angeregt, wenn ein Mensch in die Lage gerät oder gar verpflichtet ist, über ein Thema zu sprechen, das seinen Wissensstand hinsichtlich der für das Thema relevanten Tatsachen übersteigt.“ (70)

Descartes

René Descartes (1596-1650) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler und gilt als der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus. Diesem zufolge erkennen wir durch unsere Vernunft (ratio) die Welt, und nicht durch unsere Sinneswahrnehmung (dies wäre die Position des Empirismus), da uns die Sinne immer täuschen können. Bekannt ist Descartes‘ Unterscheidung von denkender und ausgedehnter Substanz, von res cogitans und res extensa. Descartes vertrat die provikative These, dass Tiere nicht als belebte Wesen, sondern als komplexe Maschinen betrachtet werden sollten.

Diskriminierung

Diskriminierung bedeutet zunächst nur so viel wie „Unterscheidung“ und „Bezeichnung“. So verstanden ist Diskriminierung unproblematisch. Problematisch wird Diskriminierung jedoch dann, wenn einer Person oder einer Gruppe aufgrund von bestimmten, moralisch-neutralen Eigenschaften oder Zeichen bestimmte Nachteile erwachsen, die in keiner kausalen Relation zu ihnen stehen oder die ungerechtfertigterweise (etwa aufgrund von Vorurteilen) als Bedeutungen dieser Zeichen unterstellt werden. Diskriminierung im unmoralischen Sinne bedeutet also eine unzulässige Zeichen-Interpretation einer Person. Nicht selten werden bestimmte Eigenschaften, die eigentlich für die Person unwesentlich bzw. akzidentell sind, zum alleinigen Bezugspunkt ihrer Betrachtung. In diesem Fall wird die Person missachtet, da sie nicht mehr in ihrer Gänze wahrgenommen wird. Anlass für Diskriminierung können ganz unterschiedliche Eigenschaften sein, die eine Person als gruppenzugehörig, aber auch als Individuum betreffen: Geschlecht, Religion, politische Überzeugung, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Alter, Dialekt, Aussehen, usw. Wird eine Person aufgrund dieser äußerlichen Zeichen, die nicht ihren Wert betreffen, diskriminiert, so wird sie stigmatisiert. Gerade in positivistischen Kontexten, deren Ideal die wissenschaftliche Objektivierung ist, kommt es nicht selten zu solchen Stigmatisierungen. Der italienische Psychiater und Kriminologe Cesare Lombroso (1835–1909) unternahm etwa den Versuch, eine spezifische ‚Natur‘ von Kriminaltätern zu identifizieren, die sich durch bestimmte Zeichen ausdrückt. Lombrosos eigentliches kriminologisches Interesse galt der angeblich pathologischen Anatomie von „Verbrecherschädeln“. In diesem Zusammenhang verglich er das Gehirnvolumen von über 300 Mördern mit demjenigen von „Dieben“, „Gesunden“, „Irren“ und „Epileptikern“, und gelangte zu dem Ergebnis, dass die Schädelkapazität von Verbrechern verglichen mit jener von Angehörigen der Normalbevölkerung signifikant geringer sei, wobei besonders Diebe ein kleineres Gehirnvolumen aufwiesen. Noch größere Beachtung schenkte er aber den besonderen Schädelanomalien seiner Untersuchungsobjekte. Die wichtigsten physiognomischen Abweichungen betreffen nach Lombrosos Darstellung in abnehmender Reihenfolge das Hervorragen des Augenbrauenbogens und Stirnbeins, abnorm entwickelte Weisheitszähne, pathologische Schädel, fliehende Stirn sowie Asymmetrien und die Schiefheit des Gesichts. Neben der Typologie körperlicher und biologisch erfassbarer Anomalien findet sich in Lombrosos Werk auch eine Analyse kultureller Eigenarten der von ihm untersuchten Personengruppen, die auf ihre Zeichenhaftigkeit hin erschlossen werden sollen. Im Rahmen einer graphologischen Analyse untersuchte er etwa „Verbrecherhandschriften“. Dieser Analyse liegt die Annahme zugrunde, dass sich aus der Form der Handschrift Rückschlüsse auf den Charakter des Schreibers ziehen lassen, die Handschrift also Ausdruck und Zeichen der „Verbrechernatur“ sei. In den Handschriften von „Schwindlern“ und „Fälschern“ meint Lombroso „schwertähnliche“ und „dolchförmige“ Buchstaben zu erkennen, wobei sich die Schrift von „Schwindlern“ gerade durch ihren filigranen Strich auszeichne. In diesem Zusammenhang vermerkt Lombroso auch eine angeblich häufige Tendenz von Verbrechern, ihren Körper mit Tätowierungen zu versehen, womit sie sich gewissermaßen selbst stigmatisierten.

Eigendünkel

Immanuel Kant kennt ein dem Hochmut verwandtes Phänomen, das er „Eigendünkel“ nennt. Der Eigendünkel zeigt sich darin, dass wir unsere Individualität, die in erster Linie durch unsere Neigungen definiert ist, zum absoluten Maßstab und Grund unseres Handelns erheben. Damit erheben wir uns als Individuen über die Geltung des vernünftigen Sittengesetzes. Kant spricht von einem „Hang“, der allen Menschen innewohnt, der Forderung des Sittengesetzes zu entgehen. Die Operation, sich eine Ausnahme von dem Sittengesetz zu erlauben, nennt er „Vernünfteln“. Wir führen darin Gründe an, dass wir ausnahmsweise gerechtfertigt sind, etwa zu lügen. Hieran zeigt sich, dass das Unmoralische nach Kant keineswegs irrational ist, sondern unter Aufbietung unserer Vernunft geschehen kann.

Einstein

Albert Einstein (1979-1955) ist der Begründer der Relativitätstheorie. Dies besagt, dass Raum und Zeit nicht für alle bewegten Systeme gleichartig verfasst sind. Damit widerspricht diese der Auffassung der absoluten Zeit bei Isaac Newton. In gleichförmig bewegten Systemen verläuft gegegenüber relativ dazu ruhenden Systemen die Zeit langsamer. Dies hängt damit zusammen, dass die Lichtgeschwindigkeit c (ca. 300.000 km/s) in allen Systemen gleich ist, und sich keine Geschwindigkeiten darauf addieren lassen. Einsteins spezielle Relativitätstheorie, die er in einem Aufsatz aus dem Jahr 1905 formulierte, lässt sich mit Hilfe des Satzes von Pythagoras intuitiv nachvollziehen.

Folter

Das Problem der Folter ähnelt in verschiedenen Hinsichten dem Problem der Lüge: Darf man in Ausnahmesituationen Folter androhen oder gar foltern, um ein Menschenleben zu retten? Deontologische Ethiken würden Folter als intrinsisch schlecht bewerten und generell verbieten, weil damit die Würde des Menschen verletzt und er nur als Mittel zum Zweck gebraucht wird. Konsquentialistische Ethiken würden Folter unter Umständen zulassen, wenn es das Ziel (die Rettung eines Menschenlebens) rechtfertigt. Virulent wurde diese Frage im Jahr 2002, als der Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner dem Jura-Studenten Magnus Gäfgen, der den 11-jährigen Bankierssohn Jakob von Metzler entführt hatte, um Geld zu erpressen, Folter androhte für den Fall, dass er das Versteck nicht verraten wollte. Unter dieser Androhung verriet Gäfgen das Versteck, auch wenn Jakob von Metzler da bereits tot war. Man hat dieses Phänomen auch als „Rettungsfolter“ bezeichnet. Daschner wurde in der Folge wegen der Androhung von Folter zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 120 Euro verurteilt („Verwarnung mit Strafvorbehalt“). Seine Verteidigung verwies auf die Rolle der Nothilfe, welche das Gericht aber nicht akzeptierte.

Freiheit

Man kann zwischen zwei Formen von Freiheit unterscheiden: Willensfreiheit und Handlungsfreiheit. Willensfreiheit bedeutet, den eigenen Willen (willentlich) bestimmen und formen zu können. Handlungsfreiheit dagegen bedeutet (nur), tun zu können, was man will. Hierbei wird nicht vorausgesetzt, seinen eigenen Willen selbst wählen zu können. Insofern könnte für Handlungsfreiheit der Fall vorliegen, dass unser Wille nicht von uns selbst bestimmt worden ist, sondern etwa prädeterminiert ist.

Verweis: Positionen der Freiheitsdebatte

Freud

Sigmund Freud (1856-1939) war ein österreichischer Neuropathologe, Psychologe, Psychiater und Kulturtheoretiker. Er gilt als Begründer der Psychoanalyse und ist einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Seine Theorien lassen sich keiner einzelnen Disziplin zuordnen, sondern sind interdisziplinär fruchtbar gewesen, so etwa auch in der Literaturwissenschaft, die seine psychoanalytischen Kategorien auf Texte angewendet hat. Freud promovierte mit einer Arbeit „Über das Rückenmark niederer Fischarten zum Doktor der Medizin“ und widmete sich in der Folge neuropathologischen Fragestellungen.

Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) darf als einer der Hauptvertreter des Deutschen Idealismus gelten. In seiner „Wissenschaft der Logik“ entwickelt er ein Begriffs-System, welches nach dem Prinzip der Dialektik die gesamte Wirklichkeit nicht nur abbilden, sondern begründen soll.

Heidegger

Martin Heidegger (1889-1976) entwickelte im Ausgang der Phänomenologie Edmund Husserls und der Existenzphilosophie Sören Kierkegaards in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1927) eine neuartige Ontologie, welche das Phänomen der Zeitlichkeit ins Zentrum stellt.

Herder

Johann Gottfried Herder (1744-1803) war ein deutscher Philosoph und Theologe der Aufklärung. Zusammen mit Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller wirkte er in Weimar.

Hume

David Hume (1711-1776) war ein schottischer Empirist und Aufklärer. Seiner Auffassung nach gelangen wir zum Wissen nicht durch rationale Einsicht, wie es der Rationalist Descartes dachte, sondern durch systematische Erfahrung. Die Vernunft ist nach Hume deswegen auch nicht das höchste Seelenvermögen, sondern nur eine Sklavin der Affekte, also mit Aristoteles gesprochen, der Nähr- und der Wahrnehmungsseele.

Immersion

Wie der Begriff der Virtualität, so ist auch die Kategorie der Immersion nicht ausschließlich auf die Sphäre der Digitalität beschränkt. Sie kommt allgemein dann zur Anwendung, wenn Rezipienten durch ein Medium – sei es Film, Kino, Fernsehen, Radio, usw. – dermaßen einbezogen werden, dass sie den fiktiven Inhalt selbst als Realität auffassen. Dies kann durch verschiedene Mittel und Techniken geschehen:

  • Realistische Simulation einer 3D-Welt (wie etwa in Computerspielen)
  • Hoher Grad an Interaktion mit künstlichen Gegenspielern und Objekten
  • Hoher Identifikationsgrad mit einem Protagonisten oder einem Avatar (Spielfigur, die selbst gesteuert wird)
  • Fesselnde Geschichte

Es liegt auf der Hand, dass Immersion dann besonders gut gelingt, wenn die menschlichen Sinnesorgane besonders realistisch angesprochen werden (etwa durch eine Simulation eines dreidimensionalen Raumes). Doch kann eine fesselnde Geschichte, die eine ganz eigene Welt entwirft (wie es etwa bei Romanen der Fall ist), den Rezipienten so beeindrucken, dass er sie förmlich miterlebt. Freilich ist eine solche Rezeption eine unmittelbare, die die Reflexion auf die fiktiven Inhalte vermeidet. Denn die Reflexion würde gerade der Unmittelbarkeit der Immersion entgegenstehen. Immersion bedeutet entweder das „Sich-Einlassen“ auf eine Geschichte, oder aber die realistische Simulation einer Welt (visuell, akustisch, haptisch, olfaktorisch, …), wobei der visuelle Aspekt sicherlich der dominante ist. Dies zeigt sich paradigmatisch anhand der Entwicklung der Computerspiele.

Information

Informationen sind Daten, also Gegebenheiten oder Vorkommnisse, die für uns in einer ganz bestimmten Hinsichten relevant, interessant und nützlich sind. Was für uns von Bedeutung ist, hängt wiederum von unserem Interesse ab (das könnte man die pragmatische Dimension der Information nennen). Doch müssen Informationen eine interne Struktur besitzen, die prinzipiell verständlich ist (dies könnte man die rationale Dimension von Information nennen). Informationen können auf verschiedene Art und Weise vorliegen: Sie können aus Zeichenketten („Strings“), Zahlen (ganzzahlig („Integer“) oder Fließkomma („float“), binären digitale Oppositionen (0 und 1), aber auch Bildern, Symbolen oder distinkten Sinnesdaten (Roteindruck, akustisches Signal) bestehen, die im Idealfall eine innere Ordnung und syntaktische Struktur besitzen. Ein bloßes Datenrauschen wird schwer als Information dienen können. Wir bemühen uns, bestimmte Signale, also Zeichen, die etwas bedeuten, aufzuspüren und zu interpretieren. Dies könnten wir die epistemologische Dimension der Information nennen: Information ist erkenntnis- und interessenabhängig. Die semantische Dimension der Information bedeutet, dass sie, um von Bedeutung zu sein, interpretierbar sein muss. D.h., ein Signal oder Datum muss sich in einen größeren Kontext einordnen lassen, den es weiter erhellt (dies könnte man die „holistische Dimension“ der Information nennen). Informationen oder sinnvolle Daten können encodiert und decodiert werden. Sie können in bestimmte Formate überführt und dann zurückübersetzt werden (dies könnte man die hermeneutische Dimension der Information nennen). Entscheidend für Informationen ist, dass diese im Endeffekt eine propositionale Struktur aufweisen müssen. Damit ist gemeint, dass sie sich (durch Interpretation) in wahrheitswertfähige Aussagen und Urteile bringen lassen müssen, also in Sätze, die wahr oder falsch sein können, wie etwa der Satz: „Am 17. Mai 2019 schien in München die Sonne“. Erst dann besitzen Daten eine semantische Relevanz, einen „Aha-Effekt“. Auch sogenannte „analytische Sätze“ wie „Alle Junggesellen sind unverheiratet“ besitzen eine gewisse Information, da hier eine Synonymie von „Junggeselle“ und „unverheirateter Mann“ erklärt wird. Schwieriger wird es mit Sätzen wie „Alle Junggesellen sind Junggesellen“, da hier eine Tautologie ausgedrückt ist, die keinen Informationsgewinn bietet.

Internet

Das Internet darf als ein Paradigma der Digitalität gelten. Der amerikanische Philosoph Hubert Dreyfus geht so weit, ihm eine transzendentale Rolle zuzuschreiben. Es ist die Bedingung der Möglichkeit von Medialität. Medialität bedeutet wörtlich so viel wie „Vermittlung“. Das Wesen des Internets ist die Struktur der Verbindung und Vernetzung,und zwar so, dass darin die größte Unmittelbarkeit realisiert ist. Darin unterscheidet es sich von regionalen Intranetzen, die abgekoppelt existieren. Das Internet hat die Form der Grenzenlosigkeit und die Tendenz, andere Netze zu integrieren, ähnlich einem weit verzweigten Pilzgeflecht. Es ist wesentlich dezentral und formal. Damit einher geht eine andere Art zu denken. Es ist der Inbegriff der Integration. Nicht mehr Analyse, sondern Assoziation und Vergleich stehen epistemisch im Zentrum. Dies wird ermöglicht durch einen Hypertext, durch ein komplexes Verweisungssystem. Das Internet ist insofern holistisch verfasst. Bedeutung von Begriffen oder Mustern konstituiert sich durch Ähnlichkeit und Differenz zu anderen Begriffen.

Die Flexibilität des Internets wird ermöglicht durch seine Raum- und Zeitlosigkeit. Wir durchforsten es prinzipiell in Lichtgeschwindigkeit (trotz mancher lags und hoher pings). Durch seine Grenzenlosigkeit stellt sich die Frage, ob und wie ihm Grenzen zu setzen sind. Diese Grenzen betreffen u.a. unsere Meinungsfreiheit und den Datenschutz. Denn das Internet hat die Tendenz, alles zu sammeln und nichts zu vergessen. Es gleicht darin einem gewaltigen kulturellen Gedächtnis, das alle Informationen durch seine Zeitlosigkeit nebeneinander verortet. Damit stellt sich das Problem des Vergessens. Die Bedeutung von Inhalten ermisst sich daran, wie intensiv sie vernetzt sind und wie gut sie gefunden werden. Existenz wird damit in ein enges Verhältnis zu Gefundenwerden gebracht. Die Nutzer des Netzes können durch ihr spezifisches Suchverhalten individuiert werden.

Angesichts der schier unübersehbaren Daternflut werden geschickte Suchen und Mustererkennung zentral. Nur sie helfen uns, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Das Internet eignet sich damit paradigmatisch als Grundlage und Operationsbasis für künstliche neuronale Netze.

Kant

Immanuel Kant (1724-1804) darf als einer der bedeutendsten Philosophen der Philosophie der Aufklärung gelten. Seine Transzendentalphilosophie fragt nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis und moralischem Handeln. Dadurch rücken für Kant jene Leistungen ins Zentrum des Interesses, die vom Subjekt vollzogen werden – noch bevor wir Gegenständen in der Welt begegnen oder moralisch qualifizierbare Handlungen an uns und anderen beobachten.

Kierkegaard

Søren Kierkegaard (1813-1855) war ein dänischer Philosoph Theologe und Schriftsteller. Er kann als einer der Väter der Existenzphilosophie angesehen werden, die später von Philosophen wie Karl Jaspers und Martin Heidegger aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Im Gegensatz zu Philosophen des deutschen Idealismus wie Hegel, den er in seinen Schriften kritisiert, fasst der Existenz nicht als eine logische Kategorie auf, sondern versucht, ihr durch Thematisierung von Phänomenen wie Angst und Verzweiflung gerecht zu werden.

Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) war ein deutscher Philosoph, Mathematiker, Diplomat, Historiker und politischer Berater der frühen Aufklärung. Er gilt als ein Universalgenie und hat wesentlich zur Entwicklung der Differentialrechnung beigetragen. Wie Descartes gehört er der Strömung der Rationalisten an. Seine Philosophie ist an der Logik orientiert.

Lüge

Wir können die Handlung oder Strategie der Lüge so verstehen, dass wir um die Wahrheit einer Proposition p wissen (oder zumindest starke Gründe für die Annahme haben, dass p der Fall ist), jedoch aus bestimmten Eigeninteressen heraus beabsichtigen, dass eine andere Person glaubt, dass p nicht der Fall ist. Eine Lüge besteht also noch nicht allein darin, die Unwahrheit zu sagen. Denn hier bleibt völlig offen, warum wir nicht die Wahrheit sagen. Die Unwahrheit einer Aussage könnte auch unserer Unwissenheit oder Dummheit geschuldet sein. Wir sehen also, dass wir im Phänomen der Lüge mit der Wahrheit spielen. Wir tarnen sie, geben sie als die Falschheit aus, oder aber die Falschheit für die Wahrheit. Dabei ist entscheidend, dass wir stets anerkennen müssen, dass es sich bei der Lüge um eine Lüge handelt, dass wir also immer auch die Wahrheit als Wahrheit anerkennen müssen, selbst wenn wir wollen, dass jemand anderes sie nicht erfährt. Gewissermaßen beschützen wir die Wahrheit in der Lüge auf eine ganz besondere Weise, so, dass die belogene Person an sie nicht herankommt. Wir sind insofern in der Lüge der Wahrheit verpflichtet, wenn auch nicht auf die rechte Weise, die darin bestehen würden, dass wir auch den anderen an der Wahrheit teilhaben lassen.

Luther

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld geboren und starb dort am 18. Februar 1546. Sein ursprünglicher Nachname wird in verschiedenen Formen überliefert: Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther. Luther sollte seinen Namen erst später unter dem Einfluss seiner “reformatorischen Erkenntnis” umändern. Zugrunde lag dabei das griechische Wort “eleutherios”, “der Freie”.

Er war ursprünglich Mönch der Augustiner-Eremiten in Erfurt und wurde dann Professor für Bibelkunde an der von Kurfürst Friedrich III. von Sachsen (“der Weise”) neu gegründeten Universität Wittenberg. Aus Anlass der Ablasspraxis seiner Zeit, welche die Aufhebung von religiösen Strafen gegen Bezahlung versprach, verfasste Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen. Diese können als eine “Kritik” oder “Aufklärung” (lat. “declaratio”) der Ablasspraxis verstanden werden. Besonders aus seiner Kritik der Vorstellung eines Kirchenschatzes, aus dem die religiösen Strafen erlassen werden konnten, entwickelte sich dann seine reformatorische Erkenntnis, dass nicht Werke, sondern allein der Glaube zum Heil führen können.

Mobbing

Beim Mobbing handelt es sich um eine komplexe unmoralische Gruppendynamik, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und zumeist auf einen eng umrissenen Raum (z.B. Schule oder Arbeitsplatz) konzentriert ist. Häufig besitzt das Mobbing eine Eskalationsstruktur. Es beginnt im Kleinen, fast Unmerklichen und steigert sich dann immer mehr bis hin zur direkten Gewalt. Aber auch das Mobbing hat die Tendenz, sich selbst zu tarnen, und nur durch Andeutungen und Tuscheleien „hinter dem Rücken“ des Opfers bemerkbar zu werden. Es ist gerade die Anonymität, die das Mobbing auszeichnet. Mobbing entsteht häufig aus Neid und Konkurrenzkampf. Häufig sind es neu hinzustoßende Personen, deren Präsenz als Störung einer bestehenden Gruppe empfunden werden. In diesem Fall kommt es zu Ausschluss-Strategien, die eng mit dem Phänomen der Diskriminierung verwandt sind.