Luther

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld geboren und starb dort am 18. Februar 1546. Sein ursprünglicher Nachname wird in verschiedenen Formen überliefert: Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther. Luther sollte seinen Namen erst später unter dem Einfluss seiner “reformatorischen Erkenntnis” umändern. Zugrunde lag dabei das griechische Wort “eleutherios”, “der Freie”.

Er war ursprünglich Mönch der Augustiner-Eremiten in Erfurt und wurde dann Professor für Bibelkunde an der von Kurfürst Friedrich III. von Sachsen (“der Weise”) neu gegründeten Universität Wittenberg. Aus Anlass der Ablasspraxis seiner Zeit, welche die Aufhebung von religiösen Strafen gegen Bezahlung versprach, verfasste Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen. Diese können als eine “Kritik” oder “Aufklärung” (lat. “declaratio”) der Ablasspraxis verstanden werden. Besonders aus seiner Kritik der Vorstellung eines Kirchenschatzes, aus dem die religiösen Strafen erlassen werden konnten, entwickelte sich dann seine reformatorische Erkenntnis, dass nicht Werke, sondern allein der Glaube zum Heil führen können.

Meinong

Alexius Meinong (1853-1920) war ein österreichischer Philosoph. Er hatte großen Einfluss auf die Philosophie und Psychologie. Er entwickelte die sogenannte „Gegenstandstheorie“, eine Ontologie, die sich mit den Relata von intentionalen Zuständen befasst.

Mobbing

Beim Mobbing handelt es sich um eine komplexe unmoralische Gruppendynamik, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und zumeist auf einen eng umrissenen Raum (z.B. Schule oder Arbeitsplatz) konzentriert ist. Häufig besitzt das Mobbing eine Eskalationsstruktur. Es beginnt im Kleinen, fast Unmerklichen und steigert sich dann immer mehr bis hin zur direkten Gewalt. Aber auch das Mobbing hat die Tendenz, sich selbst zu tarnen, und nur durch Andeutungen und Tuscheleien „hinter dem Rücken“ des Opfers bemerkbar zu werden. Es ist gerade die Anonymität, die das Mobbing auszeichnet. Mobbing entsteht häufig aus Neid und Konkurrenzkampf. Häufig sind es neu hinzustoßende Personen, deren Präsenz als Störung einer bestehenden Gruppe empfunden werden. In diesem Fall kommt es zu Ausschluss-Strategien, die eng mit dem Phänomen der Diskriminierung verwandt sind.

Montaigne

Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592) war Jurist, skeptischer Philosoph, Humanist und Begründer der Essayistik. In seinen Essays verteidigte er die Vernunft der Tiere gegenüber der menschlichen Auffassung. Er ging dabei so weit, die tierische Intelligenz der menschlichen vorzuziehen.

Moralismus

Das Phänomen des Moralismus ist philosophisch besonders interessant. Denn hier wird die Moralität selbst zur Unmoral, was auf den ersten Blick paradox erscheint. Der Moralismus kann symbolisch mit einem erhobenen Zeigefinger veranschaulicht werden.

Dieser steht für Mahnung, Drohung und Autorität, aber auch für Belehrung und Kritik. Auf Seiten des Opfers von Moralismus können Wirkungen wie Schuldgefühle, Verunsicherung, schlechtes Gewissen, Gefühle fehlender Wertschätzung und Verletzungen auftreten. Moralismus ist nicht einfach nur als eine übersteigerte Form von Moralität zu verstehen. Denn auch Heilige und besonders moralische Vorbilder (z.B. Mutter Theresa, Ghandi) und Märtyrer waren keine Moralisten. Was sie davor bewahrte, war ihre Bescheidenheit und ihre zurückhaltende Art, Kritik an bestehenden Verhältnissen zu üben. Um moralistisch zu handeln, muss neben übersteigerter Moralität noch ein weiteres Moment hinzutreten, das den Grund ihrer Perversion darstellt. Dieser Grund scheint in einer Form von Überheblichkeit zu liegen, die unter Berufung auf die Moral realisiert wird. Die Moralistin grenzt sich von anderen ab und lässt sie dies wissen. Es scheint ihr darin nicht so sehr um die Moralität zu gehen, als um die Tatsache, dass sie es ist, die auf der richtigen Seite steht, während die andere Person es nicht tut. Der Moralist scheint diese Differenz auszukosten und zu zelebrieren. Hat er keine Möglichkeit, diese Differenz zu kommunizieren (etwa durch Kritik oder Vorwürfe), so scheint für ihn die Moral weniger interessant zu sein. Dem Moralisten geht es also im Grunde gar nicht um die Moral, sondern um sich, und seine Überlegenheit und Besonderheit gegenüber anderen. Um diese Überlegenheit auszudrücken, radikalisiert er seine moralischen Einstellungen geschickt so, dass sie diejenigen des jeweils anderen (partiell) übertreffen. Damit instrumentalisiert der Moralist die Moral. Es handelt sich dabei um eine interessengeleitete, selektive Moral. Der Moralist moralisiert gerade auch da, wo die Moral nicht unmittelbar im Zentrum steht oder von Bedeutung ist, z.B. in rein juristischen, politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Er versucht so, für sich eine exklusive Position zu erreichen, der gegenüber die anderen unterlegen sind. Er möchte dadurch anderen etwas verleiden. Dies ist gerade deswegen möglich, weil die Moral (und auch die Theologie) die letzte Instanz ist, an der zwischenmenschliche Vorgänge bemessen werden können. Wer einen moralischen Standpunkt bezieht, bezieht einen absoluten Standpunkt, demgegenüber alle anderen als nur relativ gültig erscheinen müssen. Der Moralist glaubt deswegen, sich selbst nicht mehr hinterfragen zu müssen. Er sieht seine Taten und Kritiken als absolut gerechtfertigt an. Dabei täuscht er sich darin, dass es ihm nicht um die Moral, sondern nur um deren Form, also den absoluten Standpunkt geht, der nicht mehr kritisierbar, sondern per se völlig „im Recht“ ist. Das Motiv des Moralisten ist also nicht die Moral, sondern die Überheblichkeit (lat. superbia). Darin weist der Moralismus eine Nähe zum Phänomen des Terrorismus auf. Denn auch hier wird ein absoluter Standpunkt eingenommen, der gegenüber Kritik immun sein soll. Im Unterschied zu Moralisten bestrafen Terroristen ihr vermeintlich weniger moralisches Opfer systematisch und nach einer ganz bestimmten Logik. Während die Moralistin daraus Befriedigung zieht, dass sie ihrem Gegenüber subtil ein schlechtes Gewissen bereiten kann, setzt der Terrorist grausame Methoden und direkte Gewalt wie Folter und Hinrichtungen als Strafen ein. Die Terroristen vom 11. September 2001 inszenierten gewissermaßen ihre Anschläge als symbolische Akte und Spektakel, in der Annahme der absoluten Gerechtigkeit ihrer Handlungen, die sich als Strafe gegen den vermeintlich dekadenten Westen und seinen Kapitalismus verstanden. Hier zeigt sich, dass Moralisten und Terroristen nicht bereit sind zu diskutieren und Gegenmeinungen zu akzeptieren. Nach ihrer absolutistischen Logik gibt es nur Schwarz oder Weiß, Wahr oder Falsch, Wir oder die Anderen. Ihre Selbstimmunisierung kann zu einer schleichenden Radikalisierung führen, die in letzter Hinsicht auf Selbsttäuschung beruht.

Neid

Von allen Formen des Unmoralischen darf der Neid als eine der komplexesten gelten. Das Phänomen ist nicht schon dadurch charakterisiert, dass eine Person A gerne so wäre wie eine Person B oder gerne ein Gut C – sei es ein Wert, ein Gegenstand, eine Eigenschaft oder eine Fähigkeit – der Person B hätte, das sie selbst nicht besitzt. Vielmehr ist Neid mit einem Unlust- oder Schmerzgefühl für Person A verbunden, die sich hinsichtlich C mit B vergleicht und ihren Mangel als ungerechtfertigt und empörend empfindet. Aristoteles hat dies folgendermaßen beschrieben: „Ein leidenschaftliches Unlustgefühl ist nämlich allerdings auch der Neid, und zwar bezieht auch er sich auf das Glück eines anderen, aber nicht auf das eines Unwürdigen, sondern auf das eines, der nach Berechtigung und Stellung im Leben unsers Gleichen ist.“ (Rhetorik, 1386b). Immanuel Kant bestimmt den Neid als „Hang das Wohl Anderer mit Schmerz wahrzunehmen, obzwar dem seinigen dadurch kein Abbruch geschieht“ (Metaphysik der Sitten, AA VI, 458). Neid kann nur in einem Raum oder Kontext auftreten, den Rousseau als „Vernunftzustand“ dem „Naturzustand“ entgegengesetzt hatte. Während im Naturzustand die Menschen durch eine gesunde Selbstliebe und das Mitleid miteinander harmonieren, so tendieren Sie durch die Vernunft dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Räume und Kontexte des Neides sind Konkurrenzsituationen, offensichtliche Werte und Stärken, normative Kontexte wie Schulen und wertorientierte Kontexte wie das Finanzgewerbe. Der Neid scheint eine bestimmte Form der Entwicklung eines Menschen vorauszusetzen, auch wenn er sich bereits im Phänomen des „Futterneides“ bei Tieren findet, wenn sie sich ungleich behandelt fühlen und in der Folge nicht mehr kooperieren. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man Tiere um etwas beneiden kann. Hier scheint die notwendige Vergleichsebene zu fehlen, die im Neid vorausgesetzt wird.

Im missgünstigen Neid wird das Gut des anderen als Grund oder Anlass des eigenen Schmerzes verstanden, der aus dem unterlegenen Vergleich resultiert. Eine naheliegende Reaktion auf diesen Schmerz oder die Kränkung besteht dann darin, diesen Grund zu beseitigen. Mehr noch: Die andere Person wird für den eigenen Schmerz verantwortlich gemacht und ist nicht selten überrascht von dieser Argumentation des Neiders. Dies ist freilich ein Fehlschluss, der dem Neider jedoch nicht bewusst ist. Hier stellt sich die Frage, ob Neid nur dann auftritt, wenn eine andere Person einen Vorzug verdientermaßen besitzt, oder auch dann, wenn sie sich diesen ungerechterweise zugeignet hat. Für die Struktur des Neides als Missgunst ist es jedoch wesentlich, das Gut C der Person abzusprechen, insofern es ihr nicht gerechterweise gebührt, sondern, wenn schon, dann einem selbst. Es stellt sich ferner die Frage, ob Neid ein Gefühl oder eine Haltung ist. Ohne Frage ist Neid phänomenal durch eine gewisse emotionale Tönung charakterisiert, die etwa dann beschrieben wird, wenn man davon spricht, dass eine Person „grün“ oder „gelb“ vor Neid ist. Damit ist im Unterschied zur Farbe Rot gemeint, dass Neid nicht energisch nach Außen sich entlädt, sondern sich im Zerknirschen, im Gram oder Selbstmitleid der neidischen Person innerlich manifestiert.

Der Neid kann durch ein Paradox charakterisiert werden, dass darin besteht, dass der Neider als solcher nicht weiß, dass er neidisch ist, und dass er kein Neider mehr ist, sofern er weiß, dass er neidisch ist. Dieses Paradox des Neides kann durch folgende Sätze semantisch und pragmatisch näher bestimmt werden

(1) A beneidet B wegen/um C.

Dieser Satz lässt sich folgendermaßen weiter analysieren:

(2) A ist der Meinung, dass B nicht C verdient (oder nur/auch A C verdient) wegen D.

Bei D handelt es sich um eine Rechtfertigung und Argumentation, die die vermeintlich eigene ungerechte Stellung gegenüber B weiter begründet.

(3) A weiß, dass sie B wegen/um C beneidet.

(4) A sagt zu B: „Ich beneide Dich wegen/um C“

Das Element D scheint für den missgünstigen Neid elementar zu sein. Entscheidend ist, dass die Person A im Falle von D sich nicht bewusst ist, dass sie neidisch ist, sondern glaubt, dass sie zurecht das Fehlen von C beklagt oder aber Bs Besitzen von C in Frage stellt. A will sich durch D nicht eingestehen, dass sie im Grunde B den Wert C gönnen sollte, da er durchaus verdient sein könnte, selbst dann, wenn man ihn auch verdient hätte. A unterliegt also in D einer Art selbstverschuldeten Selbsttäuschung.

Man kann nun fragen, inwiefern der Satz (3) den Satz (2) oder (1) impliziert. Es scheint, dass (3) mit (2) und (1) inkompatibel ist. Denn im Wissen um den eigenen Neid scheint gerade das Element D ausgeschlossen zu werden. Offensichtlich wird dies im Fall von Satz (4), aus dem klar die Falschheit von (2) und (1) zu folgen scheint. Wer einem anderen sagt, dass er ihn wegen etwas beneide, der wird als sympathisch wahrgenommen, weil sein offenkundiger Neid weniger eine verdeckte Missgunst als eine offene Anerkennung darstellt. Wer sagt, dass er neidisch sei, ist dadurch performativ gerade nicht mehr neidisch.

Neuronale Netze

Das Phänomen der künstlichen neuronalen Netze lässt sich besonders aus der Perspektive der Philosophie des Geistes betrachten. Hier stellen sich folgende Fragen: Wie verhalten sich biologische und künstliche (digitale) neuronale Netze zueinander? Welche epistemischen und mentalen Eigenschaften besitzen neuronale Netze (wenn überhaupt)? Inwiefern können neuronale Netze Dinge erkennen und denken? Inwiefern können neuronale Netze gar (Selbst-)Bewusstsein besitzen?

Gemeinhin wird angenommen, dass sich künstliche Intelligenz in der fehlerfreien Durchführung komplizierter Rechenoperationen zeige. Dies ist allerdings ein Irrtum. Denn selbst komplexe Rechnungen basieren auf sehr basalen Operationen, die sich durch Annäherungswerte auf die Grundrechenarten reduzieren lassen. Viel eher hat Intelligenz (und Denken) etwa damit zu tun, Muster zu erkennen. Während es uns sehr leicht fällt, Gesichter zu identifizieren und verschiedene Arten von Tieren auseinanderzuhalten, bereitet dies künstlicher Intelligenz große Probleme. Der Grund dafür liegt darin, dass hier eine viel komplexere Informationsverarbeitung erforderlich ist: Wichtiges muss von unwichtigem unterschieden werden; derselbe Gegenstand kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden; zwei Gegenstände desselben Typs können sich von ihrer Größe stark unterscheiden, so dass ihre entscheidenden Merkmale nur schwer zu erkennen sind (Rashid 2017, 2).

Künstliche neuronale Netze stellen nur einen Teilbereich der künstlichen Intelligenz dar. Sie werden eingesetzt bei der automatische Muster- und Schrifterkennung (z.B. ABBYY Fine Reader) und bei der Spracherkennung (z.B. Google Home oder Amazon Alexa). Neuronale Netze sind komplexe Systeme der Daten- und Informationsverarbeitung. Sie helfen uns, die Überfülle an Informationen zu ordnen und systematisch auszuwerten. Erst dadurch wird Information für uns wirklich brauchbar und ‚sinnvoll‘. Dabei orientieren sie sich an biologischen Systemen der „ersten Natur“ wie unser Gehirn mit seinen Nervenzellen. Ein menschliches Gehirn besteht aus ca. 100.000.000.000 Neuronen, ein Bienengehirn aus 950.000 Neuronen, das einer Fruchtfliege aus 100.000 Neuronen und das Nervensystem eines Fadenwurms aus 302 Neuronen (Rashid 2017, 31). Die entscheidende Wirkungsweise von Neuronen liegt darin, dass sie nicht jedes Eingangssignal weiterleiten, sondern erst dann aktiv werden, wenn ein bestimmter Schwellwert überschritten wird. Dadurch kann eine Überflutung von Reizen oder Informationen vermieden werden. Neurone selektieren bzw. filtern also Daten. Die spezifische Verfassung dieses Schwellenwerts kann durch eine Funktion mathematisch modelliert werden, die man auch Aktivierungsfunktion nennt.

Quelle: Wikipedia

Ein neuronales Netzwerk arbeitet so, dass es trainiert und eingelernt wird. Dies geschieht auf Basis von großen Daten- bzw. Informationsmengen wie Textkorpora. Das Übersetzungsprogramm „DeepL“ etwa basiert auf über einer Milliarde deutsch-englischer Übersetzungen. Ein neuronales Netzwerk wird so trainiert, dass ein bestimmter Sollwert der Ausgabe definiert wird, der durch komplexe Verknüpfungen von Funktionen, die auf die Eingabedaten angewendet werden, erzielt werden soll. Hierzu sind notwendigerweise immer weitere Anpassungen notwendig, die die Aktivierungsfunktionen und auch die Gewichtungen der Eingabeparameter betreffen. Somit kann erreicht werden, dass bestimmte Informationen von vornherein als irrelevant ausgesiebt werden (wie etwa ein Datenrauschen). Es kristallisieren sich dann im Laufe der Zeit komplexe Mustererkennungsverfahren heraus, die immer zuverlässiger die Eingabedaten klassifizieren können. Im Idealfall ist ein neuronales Netz selbstbezüglich, so dass der Ausgabewert automatisch wieder zum Eingabewert genommen wird. Man nennt solche neuronalen Netze auch „rekurrente“ oder „rückgekoppelte“ Netze. Nach mehreren Durchläufen auf Basis großer Informationsmengen kann ein Lerneffekt des Netzwerks erzielt werden, der in der adäquaten Anpassung der Gewichtungen liegt. Hierin kann eine Art von „Wissen“ erblickt werden, welches durch ein Versuch-und-Irrtums-Verfahren erlangt wurde und wie es Lebewesen in der Regel tun.

Doch können wir wirklich davon reden, dass neuronale Netze etwas „erkennen“, etwas „wissen“ oder gar etwas „denken“? Können wir überhaupt neuronale Netze als Subjekte von mentalen Akten auffassen? Allgemein lässt sich Intelligenz als Problemlösungskompetenz verstehen. Haben aber künstliche neuronale Netze überhaupt ein Problembewusstsein? Es scheint so, dass ihnen die Probleme von außen (durch Menschen) vorgegeben sind. Erst dann, wenn ein neuronales Netz sich eigenständig Problemen annimmt und diese zu lösen versucht, können wir im strengen Sinne von Intelligenz sprechen. Dazu wiederum scheint es notwendig zu sein, dass das neuronale Netz die Struktur des Lebens aufweist: Ein Grundinteresse an seiner Existenz, die permanent gefährdet ist und der seine Existenz zu einem Problem werden kann, auf das reagiert werden muss.

Newton

Issac Newton (1642-1726) war ein englischer Naturwissenschaftler, Mathematiker und Philosoph. Er verfasste die „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“ („Mathematischen Prinzipien der Naturphilosophie“, in denen es ihm gelang, physikalische Phänomene wie Graviation und Mechanik mit der Sprache der Mathematik exakt zu beschreiben bzw. modellieren. Nach Newton existiert in der Welt eine absolute Zeit, die gleichmäßig verrinnt, ebenso wie ein absoluter Raum. Diese Annahmen sollten infolge der von Albert Einstein entwickelten  Relativitätstheorie später modifiziert werden, insofern nun auch relativistische Zeiteffekte und Raumkrümmungen Teil der naturwissenschaftlichen Realität wurden.

Peter Singer

Peter Singer (*1946) ist ein australischer Philosoph. Er vertritt eine utilitaristische Ethik, wonach die Interessen von menschlichen und nichtmenschlichen Tieren gleichermaßen gefördert werden sollten. Er hat den Begriff des „Speziesismus“ geprägt, der besagt, dass Menschen dazu neigen, ihre Interessen allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit über diejenigen anderer Tiere zu stellen.

Platon

Platon (* 428/427 v. Chr. in Athen oder Aigina; † 348/347 v. Chr. in Athen) war ein antiker griechischer Philosoph. Er ist so bedeutend, dass man die auf ihn folgende Philosophie als bloße „Fußnoten zu Platon“ (Alfred North Whitehead) bezeichnet hat. Platon vertritt eine komparativistische Ontologie. Demnach existieren manche Dinge ‚mehr‘ als andere. Am meisten existieren die Ideen, die Platon nicht als abstrakte Begriffe, sondern als Urbilder und Vorbilder für die in der wahrnehmbaren Welt existierenden Dinge ansieht.

Quine

Willard Van Orman Quine (1908-2000) war ein US-amerikanischer Logiker und Philosoph. In seinem Aufsatz „On What There Is“ (1948) knüpfte er bei seiner Bestimmung der Existenz an Freges formale Auffassung an, wonach Existenz kein inhaltliches Prädikat ist, sondern bedeutet, Wert einer gebundenen Variable zu sein.

Rache

Das Phänomen der Grausamkeit ist philosophisch sehr schwer zu analysieren. Denn es scheint sich als solches der Vernunft zu entziehen. Doch zeigen Fälle von Folter, dass Grausamkeit auch dann vorliegen kann, wenn eine Handlung sehr nüchtern vollzogen wird. Grausamkeit lässt sich bestimmen durch die Abwesenheit von Mitgefühl. Häufig steht sie in einer Verbindung mit dem Phänomen der Rache, als eine Art Modus einer Handlung (weniger als ein Gefühl). Doch scheinen Grausamkeit und Rache nicht unbeherrscht und in unbändiger Form vorliegen zu müssen. Vielmehr können beide gerade auch dann verfolgt werden, wenn der Täter sehr konzentriert und gewissermaßen „kühl“ und „konzentriert“ vorgeht.

Reformatorische Entdeckung

Luthers „reformatorische Erkenntnis“ muss neben dem Kontext der Ablasspraxis vor dem Hintergrund seiner individuellen existenziellen Krise verstanden werden. Während seiner Zeit als Augustinermönch in Erfurt und Wittenberg war Luther extrem darauf bedacht, nicht zu sündigen, und er litt sehr unter der Angst, Gottes Geboten nicht gerecht werden zu können. Es wird berichtet, dass Luther so häufig die Beichte aufsuchte, dass seine Vorgesetzten ihn deswegen sogar rügten. Seine „reformatorische Einsicht“, dass man nicht durch Werke, sondern nur aus Glauben gerecht werde, gewann Luther dann aus der Interpretation des Begriffs der „Gerechtigkeit“ in einer zentralen Passage des Römerbriefes (Röm 1,17), die lautet: „Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben“. Luther bekennt rückblickend, dass er die Verbindung „Gerechtigkeit Gottes“ gehasst habe, da er darin den Grund für seine Sündenangst glaubte. Er verstand dieses Wendung als „formale bzw. aktive“ Gerechtigkeit, „auf Grund deren Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft.“ (505) Luther beschreibt seinen inneren Zustand angesichts dieser Interpretation der Gerechtigkeit als eine Form extremer Verzweiflung:
„Ich aber, der ich, so untadelig ich auch als Mönch lebte, mich vor Gott als Sünder mit ganz unruhigem Gewissen fühlte und nicht darauf vertrauen konnte, durch mein Genugtun versöhnt zu sein, liebte Gott nicht, ja, ich hasste vielmehr den gerechten und die Sünder strafenden Gott und empörte mich in Stillen gegen Gott, wenn nicht mit Lästerung, so doch mit ungeheurem Murren und sagte: Als ob es nicht genug sei, dass die elenden und durch die Ursünde auf ewig verlorenen Sünder durch jede Art von Unheil niedergedrückt sind durch das Gesetz der Zehn Gebote, vielmehr Gott nun auch durch das Evangelium noch Schmerz zum Schmerz hinzufügt und uns mit seiner Gerechtigkeit und seinem Zorn zusetzt!“ (505)
Indem er jedoch den Begriff der Gerechtigkeit Gottes „als diejenige, durch die der Gerechte als durch Gottes Gabe lebt, nämlich durch den Glauben“ verstand, gelangte er zu seiner „reformatorischen Erkenntnis“:

„Durch das Evangelium werde die Gerechtigkeit Gottes offenbart, und zwar die passive, durch die uns der barmherzige Gott gerecht macht durch den Glauben, wie geschrieben steht: „Der Gerechte lebt aus Glauben.“ Hier fühlte ich mich völlig neugeboren und durch geöffnete Tore in das Paradies eingetreten zu sein. Da zeigte sich mir sogleich ein anderes Gesicht der ganzen Schrift. Ich ging danach durch die ganze Schrift nach dem Gedächtnis und sammelte auch in anderen Wortverbindungen eine Entsprechung, etwa Werk Gottes, das heißt, was Gott in uns wirkt, Kraft Gottes, mit der er uns kräftig macht, Weisheit Gottes, mit der er uns weise macht, Stärke Gottes, Heil Gottes, Herrlichkeit Gottes.“ (507)

Mit diesem neuen Verständnis von „Gerechtigkeit“ erschloss sich Luther die Bibel unter einem neuen, wesentlich hoffnungsvolleren Gesichtspunkt:

„Und wie sehr ich einst das Wort Gerechtigkeit Gottes abgrundtief gehasst hatte, mit ebensolcher Liebe erhob ich es als das mir allersüßeste Wort. So ist mir diese Stelle bei Paulus wirklich das Tor zum Paradies geworden. Danach las ich Augustinus ,Über den Geist und den Buchstaben‘, wo ich unverhofft darauf stieß, dass auch er die Gerechtigkeit Gottes ähnlich interpretiert [als eine solche], mit der uns Gott bekleidet, indem er uns rechtfertigt. Und obwohl das noch unvollkommen gesagt ist und er über die Anrechnung nicht alles ganz klar ausführt, wollte er doch die Gerechtigkeit Gottes gelehrt wissen, durch die wir gerechtfertigt werden.“ (507)

Rousseau

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) war ein französischsprachiger Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung. Rousseau hatte großen Einfluss auf die Pädagogik und die politische Theorie des späten 18. sowie des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Er war ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution.Rousseau vertritt die These, dass das Böse erst im Vernunftzustand in die Welt kam.

Sartre

Jean-Paul Sartre (1905-1980) war ein französischer Philosoph, Publizist und Schriftsteller. Sein bedeutendstes philosophisches Werk ist „Das Sein und das Nichts“ („L’Être et le néant“) (1943), in welchem er in Auseinandersetzung mit der Subjekt-Philosophie René Descartes‘ und der Phänomenologie Edmund Husserl s und Martin Heidegger s eine Existenzphilosophie der Freiheit entwirft.

Schelling

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling wurde 1775 in Leonberg bei Stuttgart geboren und starb 1854 in der Schweiz. Er gilt zusammen mit Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel als einer der Hauptvertreter des sogenannten „Deutschen Idealismus“. Seine Philosophie lässt sich grob in zwei Phasen unterscheiden. In seine Frühphilosophie, die stark von Kants Philosophie abhängig war, und in eine Spätphilosophie, die bereits in Richtung der folgenden Existenzphilosophie bei Kierkegaard und Heidegger weist. Schelling befasste sich in seiner Philosophie vor allem mit den Themen „Freiheit“, „Natur“ und „Geschichte.

Schopenhauer

Arthur Schopenhauer (1788-1860) ist stark von Immanuel Kants Transzendentalphilosophie beeinflusst. Er versucht jedoch, diese noch tiefer zu fassen und konzentriert sich dabei auf den Begriff des Grundes und des Willens. Seine wichtigste Schrift ist „Die Welt als Wille und Vorstellung“ (1819). Dieses Hauptwerk ist stark von indischem Gedankengut beeinflusst.

Sieben Todsünden

1. Hochmut (superbia)
2. Habgier (avaritia)
3. Neid (invidia)
4. Zorn (ira)
5. Wollust (luxuria)
6. Völlerei (gula)
7. Trägheit (acedia)

Sieben Todsünden

1. Hochmut (superbia)
2. Habgier (avaritia)
3. Neid (invidia)
4. Zorn (ira)
5. Wollust (luxuria)
6. Völlerei (gula)
7. Trägheit (acedia)

Speziesismus

Das Wort leitet sich vom lateinischen „species“ (Art) ab. Damit wird das Phänomen bezeichnet, dass sich etwa Menschen allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit als anderen Arten überlegen verstehen. Der Begriff wurde von Peter Singer in den philosophischen Diskurs eingebracht und ist in Analogie zum Begriff des Rassismus konzipiert.

Terrorismus

Wie der Name bereits sagt, ist Terrorismus besonders auf die Verbreitung von Gewalt, Furcht und Schrecken ausgerichtet. Terrorismus ist die programmatische ultima ratio der kompromisslosen Durchsetzung von Interessen. Dabei sind terroristische Handlungen nicht direkt auf die Erlangung eines Ziels gerichtet. Vielmehr schaffen sie indirekt ein Klima bzw. einen Raum von Angst, innerhalb dessen erst die eigentlichen Ziele verwirklicht werden sollen. Der Terrorismus ist zumeist auf die Zermürbung eines Systems gerichtet: Sei es der Kapitalismus, ein bestimmter Staat oder eine Religion. Mit dem Moralismus teilt der Terrorismus seinen (partiellen) Absolutheitsanspruch: Er weiß sich auf der absolut sicheren Seite und ist über jeden Zweifel erhaben. Anders als der Moralismus jedoch, der nicht primär auf Gewalt abzielt (höchstens dem Anderen ein schlechtes Gewissen bereitet), agiert der Terrorismus grausam und geplant. Er steht außerhalb des Diskurses (dem Raum der Gründe) und kennt als letztes Mittel nur die Gewalt, die mitunter auch eine Dimension von Strafe enthält. Darin erweist sich der Terrorismus als wesentlich destruktiv. Doch rechtfertigt der Terrorismus seine Taten durch Ideologien. Häufiger als Moralisten treten Terroristen in Gruppen auf. Von Terroristen und Moralisten müssen Amokläufer unterschieden werden. Sie agieren zumeist alleine und nur ein einziges Mal, teilen aber die Gewalt des Terroristen, die destruktiv ist. Entscheidend für das Verständnis von Terrorismus ist die Wirkung auf das Opfer. Dieses ist häufig von der Gewalt überrascht und bleibt fragend zurück. Der Fokus des Terrorismus ist recht weit (im Gegensatz etwa zu einem Attentat) und nimmt Kollateralschäden billigend in Kauf. Häufig gilt die Gewalt Exponenten oder Symbolen eines als feindlich deklarieren Systems. Die Anschläge des 11. September zeigen, dass die Aura der Gewalt durch die Medien bis in die Wohnzimmer ausgestrahlt wurde. Diese Bilder haben sich in das kollektive Gedächtnis förmlich eingebrannt. Susan Neiman bringt diese Anschläge mit dem Erdbeben von Lissabon in ein Verhältnis. Gegenüber dem Nationalsozialismus seien sie ein Atavismus, also eine Vorstufe, eine überholte Form eines vergangenen Bösen. Die mediale Wirkung der Anschläge und ihre technische Realisierung scheint dem aber zu widersprechen. Der Terror des 11. September scheint vielmehr eine durch und durch moderne Form des Unmoralischen zu sein.

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin (1225-1274) war einer der bedeutendsten Philosophen des Mittelalters. Wie Avicenna, so bezog sich auch Thomas von Aquin vor allem auf die Schriften des Aristoteles, auch wenn er dessen Philosophie eigenständig weiter entwickelte. Wichtige Werke sind:

De ente et essentia (Über das Seiende und das Wesen)
Summa Theologiae

Ulrich

Johann August Heinrich Ulrich (1746-1813) war seit 1769 Professor für Philosophie, ab 1783 für Moralphilosophie und Politik an der Universität Jena. Er vertrat dort den Leibniz-Wolffischen Rationalismus und zählt – aus kantischer Sicht – zu den dogmatischen Metaphysikern alter Schule. Als einer der ersten nahm er Kants kritizistische Werke mit Interesse auf und ließ sich darauf in seinem 1785 erschienenen Lehrbuch Institutiones logicae et metaphysicae (Jena 1785) mit der Absicht ein, zwischen der Leibnitz’schen und der Kant’schen Lehre zu vermitteln. In der Folge wurde er jedoch zum erbitterten Kant-Gegner, wohl auch motiviert durch die Konkurrenz von Karl Leonhard Reinhold, der in Jena zur gleichen Zeit mit großem Erfolg das kantische Projekt stark machte.

Ulrichs 1788 erschienene Eleutheriologie, oder über Freyheit und Nothwendigkeit, aus der der hier abgedruckte Textauszug stammt, wurde denn auch zur Abrechnung mit der kantischen Freiheitslehre aus der Perspektive eines rationalistischen, sich an Leibniz orientierenden konsequenten Determinismus. In der Eleutheriologie (Lehre von der Willensfreiheit, von gr. eleutheria: Freiheit) verteidigt Ulrich zentral die These, dass kein „Mittelweg“ zwischen Notwendigkeit und Freiheit, Determinismus und Indeterminismus möglich sei. Damit bestreitet er unmittelbar Kants Argumentation, mit der dieser in der Kritik der reinen Vernunft die dritte Antinomie dahingehend auflöst, dass ein durchgängiger kausaler Determinismus in der empirischen Welt mit der Möglichkeit intelligibler Kausalität durch Freiheit vereinbart werden kann. Für Ulrich besteht nur die Alternative zwischen einem konsequenten Determinismus, dem zufolge alle empirischen wie auch alle moralischen Phänomene durch hinreichende Gründe determiniert sind, und einem Indeterminismus, dem zufolge diese Phänomene grundlos und zufällig sind. Die Entscheidung fällt dann klar zugunsten des Determinismus aus.

Auszug aus: Silvan Imhof/Jörg Noller (Hrsg.): Kants Freiheitsbegriff (1786-1800): Dokumentation einer Debatte. Hamburg: Meiner 2021.

van Inwagen

Peter van Inwagen (*1942) darf als einer der gegenwärtig bedeutendsten Metaphysiker gelten. Er lehrte an der US-amerikalischen University of Notre Dame. In seinem Buch „Material Beings“ (1990) vertritt er die These, dass nur Lebewesen als zusammengesetzte Dinge existieren. Stühle und Tische, aber auch Steine existieren nur uneigentlich. Der Grund besteht darin, dass Leben sich auf eine besondere Art individuiert und über die Zeit hinweg erhält.

Virtualität

Das Verhältnis von Realität, Virtualität und Simulation ist gerade mit Blick auf das Phänomen der Digitalisierung zentral. Doch existierte das Phänomen der Virtualität bereits vor der Entwicklung künstlicher digitaler Welten. So können beispielsweise die Werte von gedeckten Schecks oder Geldscheinen als virtuell aufgefasst werden: Sie haben „an sich“, also physikalisch, nicht den angegebenen Wert, sondern nur Dank Institutionen und Mitgliedern, die eine Vertrauensbasis erzeugen, auf der dann der jeweilige Wert dann garantiert und verbürgt wird. Der virtuelle Wert ist zwar auf eine gewisse Weise „künstlich“, jedoch ist er dennoch real, und zwar deswegen, weil wir jederzeit den Scheck in Bargeld, und dieses Wiederum in Sachwerte umtauschen können – gesetzt freilich, dass die Vertrauensbasis weiterhin existiert. Besonders konkret wird das Thema Virtualität, wenn es um digitale Gegenstände in Computerspielen geht. Diese existieren nämlich losgelöst von Raum und Zeit. Als Beispiel darf der blaue Partyhut im Online-Rollenspiel „RuneScape“ gelten, der zur Zeit knapp 1700 Dollar wert ist. Virtuelle digitale Gegenstände weisen bestimmte Eigenschaften auf, die nichts mit ihren „Vorbildern“ in der physikalischen Welt zu tun haben. So kann etwa ein Gegenstand wie ein Ring im Online-Rollenspiel „Diablo“ magische Eigenschaften aufweisen, die er physikalisch nie besitzen kann. Diese Fragen nach der Realität und den Eigenschaften von virtuellen Gegenständen betreffen die philosophische Disziplin der Ontologie. Das „Oxford Handbook of Virtuality“ bemerkt dazu: „Currently, there is widespread ontological confusion about virtual reality and its relation to the real world, which contributes to a flawed understanding of virtual reality and its potential.“ (43) Diese „Konfusion“ rührt daher, dass wir nicht umhin können, virtuellen Gegenständen eine gewisse Realität zuzugestehen, obwohl sie von der physikalischen Realität gänzlich verschieden sind: „Virtual objects do exist, they populate the virtual environments used by millions of users all over the world, and they are things we refer to and interact with. But how can we then say that something exists and at the same time is not real?” (43) Hier könnte man nun argumentieren, dass virtuelle Gegenstände bloße Imitationen oder Simulationen von realen Gegenständen sind. Tatsächlich scheinen wir simulierte Gegenstände von virtuellen Gegenständen unterscheiden zu müssen. Denn während Simulationen von ihren realen Vorbildern abhängig sind, sie diese nur modellhaft darstellen, indem sie von ihrer gesamten Wirklichkeit abstrahieren, besitzen virtuelle Gegenstände eine gewisse Autonomie, die sie von ihren physikalischen Vorbildern unterscheiden und davon unabhängig und eigenständig werden lassen. Sie können gar ein „Eigenleben“ entwickeln und Eigenschaften hinzugewinnen, die ihnen normalerweise gar nicht zukommen (können). Deswegen müssen wir virtuelle Gegenstände sehr wohl als Objekte verstehen: „Digital objects qualify as objects because they are persistent, unified, stable structures with attributes and relations to other objects, and agents can use and interact with them.“ (44) Doch inwiefern sind sie als real anzusehen? Wir können neben virtuellen Gegenständen auch noch fiktive Gegenstände und Figuren unterscheiden, wie sie etwa in Filmen oder Büchern vorkommen. Doch können wir mit literarischen Fantiasiefiguren niemals interagieren, und von diesen gehen keine kausalen Kräfte aus. Wenn virtuelle Gegenstände nicht nur fiktiv sind, sondern kausale Kräfte besitzen, die sich Konventionen und Institutionen verdanken, dann scheinen wir gezwungen zu sein, sie als ebenso real wie physikalische Objekte anzusehen – auch wenn letztere nicht von unseren Konventionen, sondern von den Naturgesetzen abzuhängen scheinen.

Wahrheit

Unter Wahrheit versteht man in der Regel Urteile oder Behauptungen, die der Wirklichkeit entsprechen. Falschheit hingegen besteht in der Nicht-Übereinstimmung mit der Wirklichkeit ODER der logischen Widersprüchlichkeit. Der Satz „Die Sonne dreht sich um die Erde“ ist auf empirischer Basis falsch, galt vor der Entwicklung des geozentrischen Weltbildes als wahr. Der Satz „Manche Junggesellen sind verheiratet“ ist logisch falsch, und zwar aufgrund seiner semantischen Struktur: Er enthält einen begrifflichen Widerspruch. Der Satz „Alle Junggesellen sind unverheiratet“ ist logisch wahr: Er ist eine Tautlologie. Wie aber verhält es sich mit dem Satz des Pythagoras? Stellt er auch eine Tautologie dar?

Wille

Im Gegensatz zum bloßen Wunsch ist ein Wille ein handlungswirksames Wünschen. Das Subjekt des Willens ist bereits, alle Mittel zu ergreifen, um den Wunsch konkret werden zu lassen. Deswegen impliziert ein Wille immer auch eine gewisse Form von (instrumenteller) Rationalität.

Wunsch

Im Gegensatz zum Wille ist ein Wunsch nicht konkret und auch nicht handlungswirksam. Im Wunsch verbleibt ein Subjekt im Allgemeinen Erwägen von Arten oder Gattungen möglicher Ereignisse oder Handlungen. Es findet jedoch keine Auswahl einer bestimmten Handlungsoption statt.