Zusammenfassung, 9. Sitzung, 12.12.2018: Bertrand Russells Kritik des Kausalitätsbegriffs

In seinem 1904 erschienenen Aufsatz „On the Notion of Cause“ argumentiertder britische Philosoph Bertrand Russell (1872-1970) dafür, dass der Kausalitätsbegriff so ambivalent und missverständlich sei, dass er aus demphilosophischen Wortschatz gestrichen werden sollte: „The law of causality, Ibelieve, like much that passes muster among philosophers, is a relic of abygone age, surviving, like the monarchy, only because it is erroneouslysupposed to do no harm.” (1) Russell betrachtet nun die Ontologie der Relatader Kausalitätsrelation. Ursachen können keine Prozesse sein, da Prozesse selbstwiederum kausale Relationen voraussetzen, die sie konstituieren. Aber Ursachenscheinen auch nicht statisch ausgedehnt zu sein, und dann in Art einer sichentladenden Explosion unmittelbar zu Wirkungen zu führen. Ebenso stellt sichnach Russell das Problem, inwiefern Ursachen Ereignisse sind. Sofern UrsachenEreignisse sind, müssen sie Instanzen oder Fälle (e) von Ereignis-Typen (E)sein, wie etwa das Anzünden eines Streichholzes, oder das Einwerfen einer Münzein einen Automaten. Damit sich Ereignisse nach dem Prinzip oder Prinzip derKausalität, welches besagt „Auf gleiche Ursachen folgen gleiche Wirkungen“,wiederholen können, dürfen sie also nicht zu individuell feinkörnig bestimmtwerden, so dass etwa die Temperatur oder das Prägejahr der Münze eine Rollespielen: „An ‚event‘ then, is a universal defined sufficiently widely to admitof many particular occurrences in time being instances of it.“ (7) Wirkungenmüssen sich nach Russell zeitlich von ihren Ursachen separieren lassen, da sieansonsten als ein übergreifender Prozess verstanden werden könnten. Es mussdeswegen ein endlicher, winziger Zeitraum zwischen Ursachen und Wirkungen gedachtwerden. Doch besteht aufgrund der zeitlichen Lücke zwischen Ursachen und Wirkungenimmer die Möglichkeit, dass sich ein anderes Ereignis ‚dazwischen schiebt‘. Wirmüssten demnach immer in die Ursache die äußeren Umstände und Randbedingungen(r) mit einbeziehen. Dadurch aber ginge der generelle Charakter des Ereignissesverloren. Wir hätten es im Extremfall nur mit Singularitäten-Ursachen zu tun,die sich aufgrund der hochgradig komplexen Randbedingungen r nie wiederholtenkönnen:

U ∧(r1 ∧ r2∧  r3∧…  rn) → W

Es liegt deswegen nahe, anstatt von Ereignissen von Situationen zu sprechen,wenn wir die Ontologie von Ursachen bestimmen wollen. Denn eine Ursachen-Situation(Su) ist nicht an einen bestimmten Zeitpunkt gebunden, sondernumfasst vielmehr alle Randbedingungen, die kausal hinreichend für die Wirkungsind:

Su = U ∧(r1 ∧ r2 ∧  r3 ∧…  rn ).

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