Folien 1. Vorlesung, 19.2.2024 – Einführung
Folien 2. Vorlesung, 20.2.2024 – Systematik
In der Geschichte der Philosophie wurde von verschiedenen Seiten bestritten, dass Emotionen einen Bezug zur Rationalität haben. David Hume (1711-1776) etwa vertrat die These, dass die Vernunft nur eine „Sklavin der Affekte (passions)“ sei. Nach seinem Verständnis beurteilen wir nicht Handlungen auf ihre Moralität durch unsere Vernunft, sondern fühlen sie vermittelt durch unsere Affekte. Hume zählt das Mitleid zu den indirekten Affekten, während er den Schmerz als direkten Affekt versteht. Mitleid entsteht aus der Reflexion des Mitgefühls mit einer anderen Person, also dann, wenn uns die Affekte anderer Menschen „in lebhafter Weise berühren und ein Gefühl hervorrufen, das dem Original gleicht“. Das Mitleid entsteht also dadurch, dass wir das Leid einer anderen Person als schwaches Abbild in uns verspüren und darauf reagieren, was nach Hume nur durch unser Vermögen der Einbildungskraft möglich ist. Weiterlesen
Wenn Emotionen Ausdruck (bzw. Heraus-Bewegung) unserer Persönlichkeit sind, dann stellt sich auch die Frage, inwiefern sie rational sind. Rationalität kann in verschiedenen Akten bestehen, wie z.B. im Vergleichen, Abwägen und Bewerten. Während ein Schmerz im kleinen Finger nichts bewertet, sondern wir ihn durch Reflexion auf ihn selbst bewerten (etwa, dass er schlecht und unangenehm ist), so bewerten oder schätzen wir durch und in Emotionen häufig (für wahr angenommene) Sachverhalte, z.B. in der Achtung, dass eine andere Person eine absolute Würde hat, oder im Neid den Sachverhalt, dass eine andere Person uns in einer bestimmten Hinsicht überlegen ist. Hier stellt sich die Frage, inwiefern Emotionen wahrheitsfähig sind, d.h. inwiefern die in ihnen ausgedrückten Urteile und Überzeugungen wahr oder falsch sein können, aber auch, inwiefern es richtig oder falsch ist, bestimmte Emotionen in bestimmten Situationen zu haben (z.B. Schadenfreude). Weiterlesen
Die Autoren des Artikels „Emotion“ in der renommierten „Stanford Encyclopedia of Philosophy“ weisen darauf hin, dass es sehr schwierig ist, den Begriff der Emotion zu definieren und eindeutig zu systematisieren: „[N]o theory within any tradition appears immune from counterexamples and problem cases“. Weiterlesen
Wenn das Politische darin besteht, dass Individuen gemeinsam nach einer bestimmten Ordnung leben und handeln, dann stellt sich unweigerlich die Frage, wie dieses Zusammenleben und Zusammenhandeln geordnet und bestimmt werden soll. Es stellt sich also die Frage, wer die Entscheidungen über die Art und Weise des Zusammenlebens und Zusammenhandelns trifft. Weiterlesen
Allgemein besteht das Politische im Zusammenhang und der Organisation verschiedener Individuen. Indem Individuen sich zusammenfinden, stellt sich unmittelbar die Frage nach Macht und Herrschaft. Selbst in dem Fall, dass einzelne Individuen nach dem Prinzip des „Rechts des Stärkeren“ über die Rechte anderer Individuen in der Gemeinschaft hinwegsetzen, so bedarf auch diese Herrschaftsform einer Begründung und Legitimierung. Weiterlesen
Einer der zentralen Begriffe im Kontext politischer Philosophie ist der Begriff der Herrschaft. Herrschaft ist eine Form der intersubjektiven Machtausübung. Diese Machtausübung kann gelingen, aber auch scheitern. Deswegen ist Herrschaft aufs Engste mit Herrschaftsbegründung und Herrschaftslegitimation verwandt. Weiterlesen
Politik hat es immer auch mit der Frage nach Rechten zu tun, insbesondere nach Grundrechten. Das deutsche Grundgesetz enthält die Grundrechte von Artikel 1 bis Artikel 19. Grundrechte sind Rechte, die die „Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht“ binden. Weiterlesen
Politik hat es immer auch mit Macht zu tun, ist jedoch nicht allein auf Machtverfolgung und Machtausübung zu reduzieren, auch wenn es oft den Anschein hat, wie es etwa der Begriff „Machtpolitik“ anzeigt. Vielmehr gehört zum Politischen auch die Frage nach dem Gemeinwohl sowie regionaler und globaler Gerechtigkeit, die sich in der Gestaltung von Innen- und Außenpolitik zeigt. Macht hängt wesentlich mit Entscheidungen zusammen, und Entscheidungen verweisen wiederum auf Verantwortung. Weiterlesen
Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas (*1929) hat mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns ein Demokratiemodell entworfen, welches sich als eine Alternative zu Liberalismus und Republikanismus versteht. Während der Liberalismus (von lat. liber = frei) die Rechtsordnung subjektiv vom Individuum her begründet und am freien Markt orientiert ist, bezieht sich der Republikanismus (von lat. res publica = Gesellschaft) nicht so sehr auf das Individuum, sondern auf die Gemeinschaft und seine Kommunikation, durch die es zu einem Bürger wird. Weiterlesen
Der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) hat die politische Position des Kontraktualismus geprägt. Seine Herausforderung besteht darin, die Freiheit des Individuums mit seiner Mitgliedschaft in politischen Systemen zu vereinbaren Weiterlesen