Gottlob Frege (1848-1925) ist einer der Gründerväter der sogenannten „analytischen Philosophie“. Ihm geht es darum, Begriffe wie „Existenz“ möglichst mit logisch-formalen Mitteln weiter zu klären. In seinem Dialog mit dem Theologen Bernhard Pünjer (vor 1884) finden wir sehr klar Freges Auffassung über die Bedeutung von Existenz dargelegt. Weiterlesen
Video: Heideggers Existenzphilosophie
Zusammenfassung 9. Sitzung, 17.6.2020 – Heideggers Existenzial-Analytik
Martin Heidegger (1889-1976) bestimmt das Verhältnis von Existenz und Essenz auf eine gänzlich andere Weise als es die philosophische Tradition vor ihm getan hatte. Es geht ihm dabei um eine besondere Form von Existenz: das „Dasein“. Damit meint Heidegger unser je eigenes Sein bzw. unsere je eigene (individuelle) Existenz, die er mit dem neu geprägten Begriff der „Jemeinigkeit“ bezeichnet. Dasein ist dasjenige Seiende, dem es um sein Sein geht. Heidegger reserviert den Begriff der Existenz nur für das Dasein, während er die ‚Existenz‘ von Gegenständen in der Welt mit dem Begriff der „Vorhandenheit“ fasst. Weiterlesen
Zusammenfassung 8. Sitzung, 10.6.2020 – Alexius Meinong über unmögliche Gegenstände
Wie sich die Frage nach der Moral und der Freiheit des Menschen besonders in ihrem Rand- und Schattenbereich – z.B. dem Bösen – entscheidet, so entscheidet sich die Frage nach der Ontologie an der Frage nach „unmöglichen Gegenständen“ wie etwa einem „runden Viereck“. Der österreichische Philosoph Alexius Meinong (1853-1920) befasst sich eben mit diesem ontologischen Problem im Rahmen seiner sogenannten „Gegenstandstheorie“. Weiterlesen
Video: Hume und Kant über Existenz (10.6.2020)
Zusammenfassung 7. Sitzung, 3.6.2020 – Hume und Kant über Existenz (1)
David Hume (1711-1776) befasst sich mit dem Begriff der Existenz im Rahmen seiner empiristischen Erkenntnis- und Bedeutungstheorie. Dieser zufolge, müssen wir alle unsere Vorstellungen und Begriffe von bestimmten Dingen auf basale Eindrücke („impressions“) zurückführen, damit sie Bedeutung haben. Hume untersucht nun, wie es mit der Vorstellung der Existenz aussieht. Es steht für ihn fest, dass jede Vorstellung und jeder Sinneseindruck als existierend vorgestellt oder wahrgenommen wird. Für Hume gibt es nun zwei Möglichkeiten, und er argumentiert in Art eines disjunktiven Syllogismus (Modus tollendo ponens):
(i) „die Vorstellung der Existenz muss entweder aus einem besonderen Eindruck stammen, der mit jeder Perzeption oder jedem Gegenstand unserer Vorstellung verbunden ist“
Oder
(ii) „sie muß mit der Vorstellung der Perzeption oder des Gegenstandes Eines und Dasselbe sein“ (86)
Hume bestreitet die Option (i): „daß es zwei verschiedene Eindrücke gibt, die untrennbar miteinander verbunden gedacht werden dürften“ folgendermaßen:
(iii) „Mögen gewisse Empfindungen auch zu irgendeiner Zeit verbunden sein, so finden wir doch alsbald, daß sie eine Trennung zulassen und auch getrennt sich [dem Bewußtsein] darstellen können.“
Daraus folgt die Konklusion
(iv) „Sonach kann, so gewiß jeder Eindruck und jede Vorstellung, deren wir uns erinnern, von uns als existierend betrachtet wird, die Vorstellung der Existenz nicht aus einem besonderen Eindruck stammen“ (87).
und anders gewendet
(v) „Die Vorstellung der Existenz muß also genau dasselbe sein wie die Vorstellung dessen, was wir uns als existierend vergegenwärtigen.“
Ähnlich wie später Kant, so kritisiert Hume die Trennung zwischen Essenz und Existenz: „An irgend etwas einfach denken, und an etwas als an ein Existierendes denken, das sind nicht zwei verschiedene Dinge. Die Vorstellung der Existenz fügt, wenn sie mit der Vorstellung eines beliebigen Gegenstandes verbunden ist, nichts zu ihr hinzu. Was immer wir vorstellen, stellen wir als existierend vor.“ (87)
Leibniz‘ Theorie der Existenz
Existenz-Quiz (30.5.2020)
Zusammenfassung 6. Sitzung, 27.5.2020 – Leibniz
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) betrachtet das Verhältnis zwischen Essenz (Wesen) und Existenz (Sein) eines Dinges aus (sprach-)logischer Perspektive. Er unterscheidet zwischen Sätzen, die auf die Essenz, und Sätze, die auf die Existenz eines Dinges gehen: Weiterlesen
Video: Avicenna und Thomas von Aquin (27.5.2020)
Zusammenfassung 5. Sitzung, 20.5.2020 – Avicenna, Thomas von Aquin
Die mittelalterliche Philosophie unterscheidet zwischen drei Seinsbegriffen Weiterlesen
Avicenna und Thomas von Aquin (20.5.2020)
Zusammenfassung Aristoteles‘ Ontologie (13.5.2020)
Der Begriff der „Metaphysik“ geht nicht direkt auf Aristoteles zurück. „Metaphysik“ bedeutet wörtlich „das, was hinter/nach der Physik (ist/steht)“ (τὰ μετὰ τὰ φυσικά; tà metà tà physiká). Die Präposition „hinter/nach“ ist zunächst nur ordnungslogisch-bibliographisch zu verstehen. Es ist dasjenige Werk, welches nach den antiken Gelehrten auf die aristotelische Physik folgte, die sich mit dem Werden und Entstehen der Dinge befasst. Weiterlesen
Aristoteles‘ Ontologie (13.5.2020)
Platons Ontologie (virtuelles Tafelbild vom 6.5.2020)

Zusammenfassung 3. Sitzung, 6.5.2020 – Platon
Die Frage, was Existenz sei, ist eine ontologische Frage. „Ontologie“ wird häufig im philosophischen Alltag synonym zu „Metaphysik“ verstanden. Die Philosophiegeschichte kennt daneben die Unterscheidung zwischen einer „Metaphysica generalis“ (einer allgemeinen Metaphysik) und einer „Metaphysica specialis“ (einer speziellen Metaphysik). Weiterlesen
Platons Ontologie (6.5.2020)
Zusammenfassung 2. Sitzung, 29.4.2020 – Einführung
Die Frage, was „Existenz“ überhaupt bedeutet, ist eine typisch philosophische Frage. Denn alle anderen Wissenschaften, z.B. die Biologie, müssen den Begriff der Existenz bereits (ungeklärt) voraussetzen, um überhaupt Wissenschaft betreiben zu können. Sie befassen sich mit bestimmten existierenden Dingen und ihren Eigenschaften (wie z.B. Corona-Viren), aber nicht mit ihrer Existenz schlechthin. Weiterlesen
Theorien der Existenz: Einführung und Formales (29.4.2020)
Informationen zu Hausarbeiten
Im Rahmen des Seminars „Theorien der Existenz“ (SoSe 2020) können zwei Arten von Prüfungsleistung erbracht werden:
- In den unten zugeordneten Bachelor-Philosophie-Modulen (Haupt- und Nebenfach): Hausarbeit (10-12 S.)
- EWS (Lehramt): Essay bzw. Kurzhausarbeit (ca. 6 S.)
Der Abgabetermin ist der Mittwoch, 30.9.2020 (falls sich keine Änderungen ergeben).
Informationen zur virtuellen Lehre
Aufgrund der Corona-Krise findet das Seminar „Theorien der Existenz“ bis auf weiteres virtuell statt. Die virtuelle Lehre meines Seminars sieht im Sommersemester folgendermaßen aus:
Einführung in das virtuelle Seminar „Theorien der Existenz“
Seminarplan „Theorien der Existenz“ (SoSe 2020)
Stand: 24.6.2020
Wir werden im Seminar folgende Fragen aus historisch-systematischer Perspektive behandeln und diskutieren:
- Was bedeutet es für etwas, zu existieren?
- Was kann alles existieren, und was nicht?
- Gibt es Existenzen, die ‚mehr‘ als andere existieren?
- Inwiefern existieren fiktionale Gegenstände und Personen wie das Raumschiff Enterprise und Pumuckl?
- Welchen ontologischen Status haben virtuelle Realitäten?
- Existieren lebendige Wesen auf eine fundamental andere Weise als es andere materielle Gegenstände tun?
Viren und Virtualität
Die Corona-Krise hat uns die Grenzen der alltäglichen Interaktion wie nur wenige Ereignisse der Vergangenheit vor Augen geführt. Ausfälle, Ausgehverbote und Quarantäne beschränken unsere Freiheit zunehmend. Weniger in den Blick ist hingegen die Tatsache gerückt, dass diese Krise uns neue Freiheiten eröffnet. Not macht erfinderisch. Die Corona-Krise ist zum Katalysator einer neuen Entwicklung geworden — einer Entwicklung der virtuellen Realität. Weiterlesen
PodCast: Philosophie des Triebes
Zusammenfassungen Trieb-Seminar, WiSe 1920
Alle Zusammenfassungen können hier in einer einzigen PDF-Datei heruntergeladen werden.
Zusammenfassung 15. Sitzung, 6.2.2020: Nietzsches Begriff des Triebes
Nietzsches Begriff des Triebes steht nicht nur geschichtlich, sondern auch systematisch zwischen demjenigen Schopenhauers und Freuds. Nietzsche thematisiert den Trieb nicht im Rahmen eines philosophischen Systems, sondern in der Form von Aphorismen, also kurzen, pointierten, abgeschlossenen Gedankenblitzen. Damit möchte Nietzsche der Versuchung entgehen, die gedankliche Entwicklung einem Systemzwang zu unterwerfen, der nicht das Kriterium der Adäquatheit, sondern der Kohärenz zum Prinzip erhebt. Weiterlesen
15. Sitzung: Nietzsches Begriff des Triebes (6.2.2020)
Folien zu Nietzsches Begriff des Triebes (6.2.2020)
Die Folien der 15. Sitzung über Nietzsches Triebbegriff können hier heruntergeladen werden.
Zusammenfassung 14. Sitzung, 30.1.2020: Freuds Begriff des Triebes
In seiner Schrift „Triebe und Triebschicksale“ (1915) nähert sich Sigmund Freud dem Begriff des Triebes phänomenologisch an. Er schickt seinen Analysen die methodologische und wissenschaftstheoretische Bemerkung voran, dass der „richtige Anfang der wissenschaftlichen Tätigkeit“ „in der Beschreibung von Erscheinungen [besteht], die dann weiterhin gruppiert, angeordnet und in Zusammenhänge eingeordnet werden.“ Grundbegriffe jeder Wissenschaft „müssen zunächst ein gewisses Maß von Unbestimmtheit an sich tragen; von einer klaren Umzeichnung ihres Inhalts kann keine Rede sein.“ Freud hebt dabei hervor, dass nicht etwa nur die Begriffe als Abstraktionen dem empirischen „Erfahrungsmaterial“ unterworfen sind, sondern vielmehr auch die Erfahrung den Begriffen. Darin liegt eine Form von „Konstruktivismus“. Begriff und Erfahrungsmaterial befinden sich nach Freud in einer dynamischen Wechselwirkung und müssen immer mehr aneinander angeglichen werden, bis am Ende die eindeutige Definition steht. Ein solcher zunächst unklarer Begriff ist derjenige des Triebes. Weiterlesen